Gute Nachrichten für Schlafmützen: In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch können sie eine ganze Sekunde länger in der Kiste liegen, denn es ist wieder Zeit für eine Schaltsekunde. Auf 1:59:59 Uhr hierzulande folgt 1:59:60 Uhr, bevor es um 2:00:00 Uhr ganz normal weitergeht. Das hoffen jedenfalls Serverbetreiber und IT-Administratoren, nachdem die letzte Schaltsekunde vor drei Jahren diverse Onlinedienste lahmgelegt hatte.

Der Grund für die Zusatzsekunde ist, dass es verschiedene Standards zur Zeitmessung gibt. Da gibt es zum Beispiel die Internationale Atomzeit (TAI), die Schwingungen in Cäsium-Atomen misst. Diese "ticken" ziemlich gleichmäßig und genau, aber die Perfektion hat ihren Preis: "Die Atomsekunde ist mittlerweile zu kurz", erklärt Andreas Bauch vom Zeitlabor der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), jedenfalls wenn man sie mit der Rotation der Erde vergleicht: Statt 86.400 Sekunden (also 24 Stunden) benötigt die Erde zurzeit 86.400,002 Sekunden, um sich einmal um die eigene Achse zu drehen.

Dass die Erde manchmal etwas länger braucht, weiß dagegen die Universalzeit (UT). Sie bezieht Beobachtungen wie die Erdrotation ein, was zu einigen Vorteilen, aber auch einem großen Nachteil führt: Sie ist keine physikalisch gleichmäßige Skala. Um das Dilemma der beiden Zeitmessungen zu lösen, führten Wissenschaftler 1972 die koordinierte Weltzeit (UTC) ein: Sie verwendet den Sekundentakt der Atomzeit, wird aber gelegentlich an die Erdrotation angepasst – mit Schaltsekunden. Ohne sie würde die Weltzeit immer mehr von dem gewohnten Tag-Nacht-Rhythmus abweichen, sagt Bauch.

"Schaltsekunden sind besonders schmerzhaft"

In Deutschland ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt für die Einspeisung der Schaltsekunde in die UTC zuständig. Sie sendet die Signale an die Funkuhren, den Telefonzeitdienst und den Internetzeitdienst NTP. Wer diese Dienste nutzt, bekommt von der Schaltsekunde eigentlich gar nichts mit, zumal die meisten Digitaluhren die sechzigste Sekunde gar nicht anzeigen, sondern lediglich etwas länger warten, bis die nächste Minute beginnt.

Klassische Uhren sind von der Schaltsekunde eher unbeeindruckt, anders sieht es möglicherweise bei Computern und Servern aus. Das mussten die Administratoren von Foursquare, Reddit und des deutschen Webhosters Hetzner vor drei Jahren feststellen. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, hat die Schaltsekunde in einigen Linux-Konfigurationen für Probleme gesorgt. Ein Bug führte dazu, dass Anwendungen in einer Endlosschleife landeten, immer mehr Ressourcen fraßen und somit das ganze System verlangsamten. Fast anderthalb Stunden war Reddit, immerhin eine der 35 am häufigsten besuchten Websites im Netz, nicht erreichbar.

Dieses spezielle Problem wurde in den neueren Linux-Versionen behoben. Andere Probleme, gerade in älteren Systemen, sind allerdings nicht ausgeschlossen. "Schaltsekunden sind besonders schmerzhaft, weil sie ad hoc und ohne Regeln stattfinden", sagte der Linux-Entwickler Linus Torvalds vor drei Jahren gegenüber Wired. Und wenn Computer mit etwas nicht umgehen können, dann sind es fehlende Regeln. So gab es zwischen 1992 und 1994 drei Schaltsekunden in Folge, zwischen 1999 und  2004 dagegen keine einzige. Da sie stets nur einige Monate vorher angekündigt werden, ist es im Gegensatz zu Schaltjahren unmöglich, sie in eine Zeitfunktion zu programmieren.