Wir müssen reden. Über Minions. Kennen Sie bestimmt: diese kleinen gelben Comicfiguren, die zurzeit überall im Fernsehen, Internet und in Großstädten auftauchen, diese kurzbeinigen und deformierten Geschöpfe, die sich in größtenteils unverständlichem Gebrabbel unterhalten und tollpatschig durch die Kinowelt spazieren. Dieses Popkulturphänomen, das gleichermaßen kleinen Mädchen als auch bärtigen Männern ein wohlwollendes "awww" entlockt, weil Minions eben so. verdammt. knuffig. sind.

Aber von vorne: Die Minions tauchten erstmals 2010 als Nebenfiguren im Animationsfilm Ich – Einfach unverbesserlich auf. Als Untergebene des Superschurken Gru helfen sie diesem bei der Verwirklichung seiner Pläne – wenn sie nicht gerade an den einfachsten Aufgaben scheitern und für Chaos sorgen. Das liegt quasi in ihrer DNA; seit Urzeiten dienen die Minions den größten Schurken der Geschichte. Außer Hitler, zu dessen Lebzeiten hielten sie sich in der Antarktis auf.

Nun hat Hollywood ihnen einen eigenen Kinofilm spendiert: Seit zwei Wochen läuft Minions in den deutschen Kinos, vor wenigen Tagen ist er in den USA gestartet. Dort spielte er am ersten Wochenende 115 Millionen US-Dollar ein, in Deutschland ist er auf Rekordkurs, zumindest was Animationsfilme angeht.

"Minion Hate is real"

Wir stehen also kurz vor Peak Minion, und wo viel ge-bi-dot und ge-ba-boyt wird, wird auch viel ge-och-nöt und geh-fortet, oder anders gesagt: Die kritischen Stimmen werden lauter. Vor allem im Netz formiert sich eine Minions-Gegenbewegung, die genug hat von den quietschgelben Plagegeistern und diese buchstäblich ans Kreuz nageln möchte.

Für diese Miesepeter und Spaßverderber gibt es einen nicht ganz ernstgemeinten Begriff: Minionandrie, basierend auf der Misandrie, der feindseligen Haltung gegenüber Männern. Das ergibt zwar sprachlich nicht viel Sinn, passt aber trotzdem ganz gut, denn die Minions sind allesamt männlich. Spätestens als Buzzfeed über die Minionandristen schrieb und anschließend "33 Gründe, die beweisen, dass Minions offiziell durch sind" gefunden hat, ist klar: Minion Hate ist echt.

Filet Minion – ein etwas geschmackvollerer Minion-Hate

Die Minion-Gegner finden sich überall, wo die putzigen Taugenichtse auftauchen, also gefühlt in jeder zweiten Ecke im Netz. Zum Beispiel in den Kommentarspalten von Nachrichtenseiten und Unterhaltungsportalen. Oder auf Tumblr-Blogs, die Minions schon mal als "anthropomorphische Buttplugs" bezeichnen. Und natürlich in den sozialen Netzwerken wie Twitter, in Facebook-Gruppen wie I Hate Minions und vor allem auf Reddit. Dort hat sich das Subreddit MinionHate als inoffizielle Zentrale der Anti-Minion-Bewegung etabliert. Mehr als 20.000 Abonnenten dokumentieren hier ihren alltäglichen Kampf gegen die ständigen Übergriffe kleiner zylindrischer Wesen in Form von Merchandising, albernen Kostümen und allgemeiner Niedlichkeit.

Nun finden sich für so ziemlich alles und jeden im Internet irgendwelche Kritiker, doch der Fall der Minions ist anders gelagert. Dass sich die immer auch etwas debil wirkenden Grinseköpfe übermäßig gut als Zielscheibe eignen, hat ökonomische, soziologische und netzkulturelle Gründe. Nein, im Ernst.

Die Ausgeburt des Kapitalismus

Der größte Kritikpunkt: Das ist alles nur eine große Marketingmasche. Von der Hand weisen lässt sich das nicht. 593 Millionen US-Dollar haben Unternehmen bis jetzt ausgegeben, um ihre Produkte und Werbeplakate mit den Minions schmücken zu können. Wie Bloomberg berichtet, fährt Universal Pictures damit eine der größten Marketingkampagnen der Filmgeschichte. Die Minions finden sich auf so ziemlich allen denkbaren Produkten. Schon eine Suche auf Amazon offenbar alles von Tassen über Flipflops bis Unterwäsche, Lebensmitteln und, kein Witz, Damenbinden. Wer in diesen Tagen etwas verkaufen möchte, malt es am besten miniongelb an und versieht es mit Kulleraugen.

Total Banana – die deutsche Amazon-Seite © Screenshot

"Hyper-Merchandising" nennen die Kritiker dieses Phänomen. Die Übersättigung allein wäre für sie schon schlimm genug, doch Reddit wäre nicht Reddit, wenn hinter dem Protest nicht noch ein vermeintliches hehres Anliegen stecken würde. Die Minions seien eine Erfindung von Universal und das Filmstudio gehört wiederum zum US-Kabelnetzbetreiber Comcast. Und bekanntlich gehörten Telekommunikationsunternehmen zu den schlimmsten überhaupt. Wer also Minions mag, fällt der Reddit-Logik zufolge nicht nur auf billige Marketingtricks des Konzerns rein, sondern fördert nebenbei auch langsames Internet und schlechten Service. Wer dient jetzt also den Schurken?