Niemand kann Steve Huffman vorwerfen, er schiebe wichtige Aufgaben lange auf. Gerade mal eine Woche ist der 31-jährige Mitgründer der Internetplattform Reddit zurück im Amt als CEO und sorgt schon für Diskussionen. Weder er noch der andere Gründer, Alexis Ohanian, habe Reddit als "eine Bastion der freien Meinungsäußerung erschaffen", schrieb Huffman am Mittwoch in einem Beitrag auf der Seite. Er sei außerdem der Meinung, einige Communitys sollten auf der Plattform besser nicht existieren.

Das klingt, als werde Reddit auch unter Huffman den Kurs weiterfahren, den dessen Vorgängerin Ellen Pao eingeschlagen hat. Im Juni schloss die Plattform unter ihrer Leitung einige etablierte Unterforen, sogenannte Subreddits, die nach Ansicht der Betreiber hasserfüllte Inhalte enthielten. Es war einer der Auslöser für den plattformweiten Protest gegen die Geschäftsführung und Pao, die vergangene Woche ihren Rücktritt bekanntgab – angeblich, weil sie die Wachstumsvorgaben der Investoren nicht erfüllen konnte.

Huffmans Ziel ist es, zum einen die Kommunikation mit den freiwilligen Moderatoren der Subreddits und deren Werkzeuge zur Verwaltung zu verbessern. Das war eine der lautesten Forderungen aus der Community. Zum anderen soll Reddit neue und klarere Richtlinien bekommen, was die erlaubten und die verbotenen Inhalte auf der Plattform betrifft. Doch was in der Theorie nach einer einfachen Ja/Nein-Angelegenheit klingt, erweist sich in der Praxis als schwieriger.

Die Rassisten feiern die Meinungsfreiheit

Am Donnerstag präsentierte Huffman in einem Ask Me Anything seine ersten Vorschläge und stellte sich den Fragen der Community. Mehr als 21.000 Reaktionen sind dort mittlerweile eingegangen, von zaghafter Zustimmung bis zu kompletter Ablehnung ist alles dabei. Sie verdeutlichen das größte Problem der neuen Richtlinien: Keiner weiß so richtig, was sie bedeuten und ob sie überhaupt den gewünschten Effekt haben.

Zunächst die vermeintlich einfachen Regeln: Auf Reddit bleiben Spam, illegale Inhalte wie die Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material, sexuelle Anspielungen gegenüber Minderjährigen und das Veröffentlichen privater oder vertraulicher Informationen verboten. Das war aber auch schon vorher der Fall und ist allein aus juristischer Sicht wenig überraschend.

Verboten ist ebenfalls alles, "das Leid oder Schaden gegenüber Individuen oder Gruppen propagiert". Als Beispiel führt Huffmann an, es sei in Ordnung zu schreiben, dass man eine Gruppe nicht möge. Es sei aber nicht in Ordnung zu sagen, dass man Mitglieder einer Gruppe töten wolle. Ferner ist alles verboten, was Menschen in irgendeiner Form "bedroht, mobbt oder misshandelt", also alles, was im englischsprachigen Raum gemeinhin als Hate Speech gilt und andere Menschen gezielt einschüchtern soll.

Das klingt einleuchtend, doch tatsächlich tut sich Huffman im Verlauf der Diskussion schwer, klare Grenzen zu ziehen. So heißt es, dass ein Subreddit wie r/rapingwomen im Sinne der neuen Richtlinien künftig verbannt wird. Das Subreddit r/PhilosophyofRape, in dem unter Beiträgen mit Titeln wie Rape, World's Oldest Life Hack Vergewaltigungen rechtfertigt werden, könnte allerdings bestehen bleiben. Wohl ebenfalls weiterhin existieren darf r/coontown, das fast ausschließlich aus rassistischen Äußerungen besteht – jedenfalls solange es nicht zur  Gewalt aufruft. Die Nutzer feiern das Weiterbestehen des Subreddits als einen Sieg der freien Meinungsäußerung.