Greens Schlussfolgerung ist deshalb auf Basis dieser Daten mit Vorsicht zu genießen. Andere Berichte bestätigen zumindest, dass manche Nutzer erfolgreiche Videos von YouTube herunterladen (umgangssprachlich rippen) und sie anschließend wieder auf Facebook veröffentlichen – ohne die Erlaubnis der Urheber. Für dieses unlautere Vorgehen gibt es einen Begriff, den der australische Filmemacher Brady Haran vergangenes Jahr prägte: Freebooting.

Bereits Anfang des Jahres wies der YouTuber Destin Sandlin vom Kanal SmarterEveryDay auf das Phänomen des Freebootings hin. Eines seiner Videos fand den Weg auf Facebook, wo es in kürzester Zeit auf mehr als 18 Millionen Abrufe kam und damit noch erfolgreicher war als auf YouTube. Bis Sandlin Facebook kontaktiert, den Löschantrag gestellt hatte und die Sache geprüft war, verging so viel Zeit, dass das Video ohnehin schon "durch" war.

YouTuber wehren sich

Im Vergleich zu YouTube verdienen die Video-Uploader auf Facebook noch nicht aktiv an den Werbeeinnahmen. Dennoch kann es sich lohnen, erfolgreiche Clips von anderen Quellen zu stehlen, schließlich sorgen interessante und witzige Inhalte für Aufmerksamkeit, Kommentare und Likes. Und auch Facebook profitiert, denn im Gegensatz zu Embed-Videos kann Facebook die eigenen Videos selbst mit Werbung bespielen und entsprechend vermarkten – und tut das auch nur allzu gerne. 

Hank Green weist darauf hin, dass auch YouTubes ursprünglicher Erfolg auf Urheberrechtsverletzungen gründete und die Plattform bis heute zum Teil davon lebt. Doch immerhin gebe YouTube den Rechteinhabern inzwischen Werkzeuge in die Hand, gegen diese Inhalte schnell vorzugehen oder mithilfe des Content-ID-Systems an den Werbeeinnahmen mitzuverdienen. Facebook dagegen zeige wenig Interesse daran und, mehr noch, schmücke sich mit den Erfolgen gestohlener Inhalte.

Green vermutet, dass viele YouTuber im Angesicht von Facebooks Marktmacht die gestohlenen Videos zähneknirschend akzeptieren. Aber der Protest wird lauter. Die Fine Bros etwa pflichteten Green bei und George Strompolos vom bekannten YouTube-Netzwerk Fullscreen gab an, dass einige gestohlene Videos auf "mehr als 50 Millionen Abrufe" auf Facebook kommen. Eine Suche nach Freebooting auf YouTube zeigt noch mehr Filmemacher, die das Thema in den vergangenen Monaten aufgriffen.

Facebook arbeitet an neuen Lösungen

Facebook Deutschland konnte auf eine Anfrage von ZEIT ONLINE nicht antworten und verwies stattdessen auf den Blogeintrag von Matt Pakes. Der Manager erklärt, dass Facebook die Rechte von Urhebern ernst nähme, auf Urheberrechtsverletzungen selbstverständlich reagiere und demnächst noch weitere Lösungen für die Rechteinhaber präsentieren werde. Mit Audible Magic habe Facebook zudem schon eine automatische Inhalte-Erkennung im Angebot.

Pakes erklärt allerdings nicht, wie das System Inhalte erkennen soll, die von YouTube kommen und deshalb noch gar nicht in der Bibliothek von Facebook gespeichert sind. Und vor allem: Wie sollen die Rechteinhaber das System nutzen, wenn sie vielleicht gar nicht selbst auf Facebook aktiv sind? Die logische Lösung scheint zu sein, dass YouTube-Stars wie Hank Green oder Destin Sandlin einfach selbst ihre aktuellen Videos auf Facebook hochladen und somit den Freebootern ein Schnippchen schlagen. Facebook wäre das nur recht.