Laut einer internen Bedarfsprognose der Deutschen Telekom braucht selbst ein besonders internetaffiner Vier-Personen-Haushalt in zehn Jahren nur einen Internetzugang mit maximal 208 MBit/s im Download und 50 Mbit/s im Upload. Diese Angaben stammen von Ulrich Nitschke, Leiter Strategieentwicklung Telekom Deutschland, und liegen der Wirtschaftswoche vor. Diese Datenübertragungsrate reiche aus, damit die gesamte Familie gleichzeitig an verschiedenen Geräten hochauflösendes 3D-Fernsehen schauen, Videotelefonate führen und Streaming-Dienste nutzen könne.

Auch die meisten Firmen brauchten demnach bis zum Jahr 2026 kein FTTH (Fiber to the Home). "95 Prozent der Unternehmen haben einen Bandbreitenbedarf wie Privatkunden", heißt es bei der Telekom. "Nur für den Rest ist ein punktueller Ausbau von Glasfaser notwendig."

Mit Super Vectoring will die Telekom im Festnetz 250 MBit/s im Download und 50 MBit/s im Upload bieten. Durch Weiterentwicklungen ihres Hybridrouters soll im Jahr 2018 eine Datenrate von bis zu 550 MBit/s erreicht werden, erklärte die Telekom im März 2015.

Umstrittene Rechnung der Telekom

Bei der Bundesnetzagentur wird über den Antrag der Telekom verhandelt, im Nahbereich um 8.000 Hauptverteiler die Vectoring-Technik einzusetzen und dazu von der Verpflichtung befreit zu werden, Wettbewerbern VDSL-Anschlüsse in den Hauptverteilern zu ermöglichen. Insgesamt könnten so nach einer umstrittenen Rechnung der Telekom knapp 80 Prozent der Haushalte bis zu 100 MBit/s bekommen.

Telekom-Konzernsprecher Philipp Blank hat Golem.de den Bericht indirekt bestätigt: "Natürlich gibt es Prognosen, wie sich der Bandbreitenbedarf unserer Kunden in den kommenden Jahren entwickelt. Darauf müssen wir uns schließlich schon heute einstellen."

Telekom: Konkurrenz wolle Vectoring sabotieren

Doch langfristig sei Glasfaser bis in die Haushalte nötig. "Die Menschen brauchen aber jetzt schnellere Internetanschlüsse und das geht nur über Vectoring. Nur damit sind die Breitbandziele der Bundesregierung zu erreichen", betonte Blank.

Es sei ökonomischer Unsinn, jetzt allein auf FTTH zu setzen, unterstrich Blank. Zumal niemand erklärt habe, woher die rund 80 Milliarden Euro kommen sollten, die für einen flächendeckenden FTTH-Ausbau in Deutschland nach einer TÜV-Schätzung mindestens nötig seien.

Blank sagte weiter: "Überall FTTH gäbe es nicht vor 2030, eher 2040." Es gehe den Verbänden der Konkurrenten wohl eher darum, die "Vectoring-Pläne der Telekom zu sabotieren, als tatsächlich den FTTH-Ausbau zu forcieren."