YouTube steht für vieles: Für Katzenvideos und anspruchsvolle Dokumentationen, für Teenie-Stars und junge Millionäre, für Musik, Gaming, Schminktipps, menschliche Abgründe in den Nutzerkommentaren und für ein Archiv, das kaum ein Mensch jemals zu Gesicht bekommt. Wofür YouTube bislang nicht stand, waren Inhalte gegen Bezahlung. Die Plattform finanzierte sich mit Ausnahme einiger Experimente traditionell durch Werbung, doch das ändert sich nun. In den kommenden Tagen wird YouTube mit Red einen neuen Bezahlservice einführen.

Ab Ende Oktober zunächst nur für US-Nutzer verfügbar, soll YouTube Red 9,99 US-Dollar im Monat kosten. Dafür bekommen die Abonnenten sämtliche YouTube-Videos ohne Werbung angezeigt sowie Zugang zu exklusiven Inhalten, zum Musikangebot Music Key, das bereits im vergangenen Jahr als Beta verfügbar war, sowie zum kürzlich eingeführten YouTube Gaming und YouTube Kids. Red-Nutzer können Videos zudem lokal speichern und somit später ansehen, wenn sie offline sind. Ebenfalls im Preis enthalten ist der Zugang zu Googles eigenständigem Musikstreamingdienst Play Music.

Wohlgemerkt wird der Großteil der Inhalte auch weiterhin kostenlos verfügbar sein, Red versteht sich vor allem als eine Art Premium-Angebot, als eine Bündelung verschiedener Angebote und Inhalte. "Die Verbraucher nehmen Bezahlangebote mit werbefreien Inhalten immer besser auf", sagte YouTubes Chief Business Officer Robert Kyncl und spricht natürlich von Diensten wie Netflix oder Spotify, die in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich waren.

YouTube setzt auf seine Stars

Es ist nicht YouTubes erster Versuch mit bezahlten Inhalten. 2013 führte die Plattform bereits die Option ein, einzelne Kanäle hinter einer Paywall zu platzieren. Ausgesuchte Partner konnten an dem Programm teilnehmen, einige von ihnen waren Teil einer früheren Initiative, in der YouTube einzelne Kanäle mit Vorschüssen für die Produktion unterstützte. Viele Formate der alten Originalkanäle entstanden in Zusammenarbeit mit klassischen TV-Produktionsfirmen, nur wenige mit nativen YouTubern. Der Plan, Fernsehfirmen auf YouTube zu locken, funktionierte nicht und das Unternehmen schloss viele Kanäle nach zwei Jahren wieder.

Dass es YouTube mit Red jetzt noch einmal versucht, hat gute Gründe. YouTube will endlich den Wandel von einer reinen Streamingplattform hin zur eigenständigen Unterhaltungsplattform vollziehen. Die Nischenerfolge von Plattformen wie Vimeo oder Vessel, die einige YouTube-Stars für exklusive Serien abwerben konnten, haben bereits gezeigt, dass Fans durchaus für exklusive Inhalte zahlen. Mit Produktionsstätten rund um die Welt versucht YouTube schon länger, die Qualität auf der Plattform zu steigern, neue Talente zu fördern und bekannte Stars zu unterstützen.

Eine Serie, die es exklusiv für Abonnenten geben wird, ist Scare PewDiePie, eine "horrorlastige Reality-Serie", in der PewDiePie Szenarien aus Computerspielen im echten Leben nacherlebt. Mit fast 40 Millionen Abonnenten ist der Schwede der erfolgreichste YouTuber überhaupt und damit eine offensichtliche Wahl. Auch andere Persönlichkeiten wie die Kanadierin Lilly "Superwoman" Singh und die Fine Bros werden exklusive Inhalte beisteuern. YouTube setzt also auf seine eigenen Stars und hofft, dass deren Fans für exklusive Inhalte die Kreditkarte zücken.

Gewissermaßen ist Red der bis dato größte Beweis, dass YouTube an sein eigenes Ökosystem glaubt. Es sei wichtig, "nicht dasselbe anzubieten, was andere auch machen", sagt Kyncl während der Präsentation in Los Angeles. Anders gesagt: Netflix hat Originalinhalte wie House of Cards, YouTube hat eben PewDiePie. Gepaart mit einem Zugang zu Musikstreaming und möglicherweise exklusiven E-Sports-Übertragungen scheinen die 9,99 US-Dollar pro Monat nicht mehr ganz so teuer.

Die ersten YouTuber protestieren gegen Red

Dennoch gibt es Skeptiker, nicht zuletzt aus der Youtube-Szene selbst. Sämtliche Partner, also populäre Nutzer, mussten vor dem Start von Red einen neuen Vertrag unterzeichnen, berichtet TechCrunch. Darin mussten sie die neuen Bedingungen für die Bezahlkanäle akzeptieren, selbst wenn sie gar nicht planen, ihre Kanäle hinter die Paywall zu setzen. Akzeptieren sie die neuen Bedingungen nicht, riskieren sie die Deaktivierung ihres Kanals. Die ersten YouTuber protestieren bereits gegen dieses Vorgehen.

Robert Kyncl sagt, dass man "den Großteil" des Umsatzes an die Partner zurückgeben werde. Bei Red käme es nicht nur auf die Abrufe an, sondern darauf, wie lange die Nutzer gucken – längere Videos können sich also für die Produzenten lohnen. Wie Kyncl auch sagt, hätten 99 Prozent aller Partner die Verträge unterzeichnet, die meisten Inhalte blieben deshalb auch weiterhin ohne Abo und stattdessen wie gehabt mit Werbung verfügbar. Für Nutzer, die ohnehin nur einige Videos aus ihrem Alltag hochladen, ändert sich mit Red nichts. Katzenvideos und Schminktipps sind also nicht gefährdet – vorerst.