"Entweder hat Craig Wright Bitcoin erfunden oder er ist ein brillanter Schwindler, der uns unbedingt glaubhaft machen will, dass er es war." Die Aussage aus einem Artikel, den das US-Magazin Wired am Dienstag veröffentlichte, ist bewusst vage gehalten. In den vergangenen Jahren gab es mehrere, teils peinliche Versuche, die Identität von Satoshi Nakamoto, dem bis heute unbekannten Erfinder der Kryptowährung Bitcoin, zu enttarnen. Jetzt wollen Wired und das Portal Gizmodo unabhängig voneinander neue Indizien gefunden haben: Craig Steven Wright, ein 44-jähriger Unternehmer aus Australien, soll hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto stecken.

Wright ist in Australien als Geschäftsführer mehrerer Unternehmen eingetragen, hat eine auffällige Firmenhistorie mit Insolvenzen, Gerichtsverfahren mit früheren Geschäftspartnern und Untersuchungen des Finanzamts. Auf der Website seines Unternehmens Panopticrypt bezeichnet er sich großspurig als "der weltweit führende Sicherheitsexperte", nebenbei ist er außerordentlicher Dozent an einer australischen Universität und trägt zwei Doktortitel. In der Bitcoin-Szene ist Wright zwar bekannt, fiel aber bislang nicht sonderlich auf.

Das dürfte sich nun ändern. Die Recherchen von sowohl Wired als auch Gizmodo stützen sich auf einen anonymen Hacker, der vor einigen Wochen die Journalisten kontaktierte. Er behauptete, das E-Mail-Postfach von Craig Wright gehackt zu haben und lieferte diverse Dokumente, Mails und Hinweise mit, die auf eine Verbindung zwischen dem Australier und Nakamoto schließen lassen.

E-Mails erwähnen Satoshi Nakamoto

Erstens gibt es mehrere Blogeinträge, die Wright in den vergangenen acht Jahren geschrieben hat und die inzwischen gelöscht wurden. Im August 2008, drei Monate vor der Veröffentlichung des ursprünglichen Bitcoin-Whitepapers, schrieb Wright, er plane, ein Papier über eine Kryptowährung zu veröffentlichen. Im November des gleichen Jahres enthält ein Beitrag einen PGP-Schlüssel, der auf die E-Mail-Adresse satoshin@vistomail.com führt – unter der ähnlichen Adresse satoshi@vistomail.com meldete sich Satoshi erstmals in einer Kryptografie-Mailingliste. Schließlich schrieb Wright kurz vor dem offiziellen Bitcoin-Start im Januar 2009, dass die Software demnächst "live gehe".

Die zweiten Hinweise stecken in mutmaßlichen E-Mails von Wright. Im März 2008 kontaktierte er demnach den amerikanischen Sicherheitsexperten Dave Kleiman und bat um Hilfe, ein Papier über "eine neue Form elektronischen Geldes, Bit Cash, Bitcoin" zu schreiben. "Ich brauche eine bessere Version von mir, um es zum Laufen zu bringen", heißt es weiter.

Im September 2011 schrieb Wright an Kleiman, er könne "die Sache mit Satoshi" nicht mehr durchziehen und sein Pseudonym sei bekannter als er es jemals sein könnte – zu diesem Zeitpunkt hatte sich der anonyme Erfinder bereits aus der Bitcoin-Szene zurückgezogen.

Es ist nicht der einzige Fall, in dem Wright und Satoshi in der gleichen Mail vorkommen. Im Januar 2014 heißt es etwa in einem Schriftverkehr zwischen Wright und einem Geschäftspartner, ob "unser japanischer Freund nicht aus dem Ruhestand zurückkehren könnte", um Forderungen an einen australischen Senator bezüglich der Regulierung von Bitcoin etwas mehr Gewicht zu verleihen. Unterzeichnet ist die Mail von der Adresse satoshi@vistomail.com mit "Craig (possibly...)".

In einem weiteren mutmaßlichen Transkript einer Anhörung zwischen Wright, seinen Anwälten und Beamten der australischen Steuerbehörde findet sich folgende Aussage: "Ich habe mein Bestes versucht zu verstecken, dass ich seit 2009 Bitcoin unterhalte. Aber hiernach wird es vermutlich die halbe Welt wissen." Einer der namentlich erwähnten Anwälte bestätigte Gizmodo, Wright zu vertreten. Ob das Transkript echt ist, konnten und wollten weder die Anwälte noch die Steuerbehörde bestätigen.

Auf der Spur von 1,1 Millionen Bitcoin

Der dritte mutmaßliche Hinweis versteckt sich in der Beziehung zwischen Craig Wright und seinem Freund und Geschäftspartner Dave Kleiman. Wie Gizmodo schreibt, habe Kleiman zurückgezogen gelebt und vor allem über das Internet kommuniziert. Kleiman war seit den neunziger Jahren querschnittsgelähmt und schwer krank, er verstarb 2013. Die Reporter von Gizmodo kontaktierten seine früheren Geschäftspartner und fanden heraus, dass sich Wright nach Kleimans Tod unerwartet emotional meldete und dies auch in einem – inzwischen gelöschten – YouTube-Video sagte. Offenbar waren Kleiman und Wright enger befreundet als gedacht.

In den Dokumenten des Hackers befindet sich ein unvollständiger Vertrag zwischen Kleiman und Wright. Demnach habe sich Kleiman verpflichtet, die Kontrolle über einen Fonds in Höhe von 1,1 Millionen Bitcoin zu übernehmen, die zum 1. Januar 2020 wieder in den Besitz von Wright übergehen sollen. Die Summe ist auffällig, denn sie entspricht ungefähr der Anzahl von Bitcoins, die seit den frühen Jahren der Währung unangetastet in der Blockchain liegen und mutmaßlich Satoshi Nakamoto gehören. Nach dem heutigen Bitcoin-Kurs wären sie über 400 Millionen Euro wert. Gleichzeitig verpflichtet sich Kleiman, nicht die Ursprünge der E-Mail-Adresse satoshin@gmx.com zu verraten – ebenfalls eine, die der Bitcoin-Gründer in der Vergangenheit nutzte.

In einem weiteren geleakten Dokument eines Treffens mit der australischen Steuerbehörde sagte Wrights Buchhalter John Chesher, dass Wright 2009 damit begann, Bitcoins zu errechnen und zwischenzeitlich rund "zehn Prozent aller Bitcoins" besessen hätte, die er später in einen Fonds auf den Seychellen deponierte – möglicherweise der gleiche Fonds, von dem in dem Vertrag die Rede ist. Gemeinsam mit Kleiman habe Wright zudem das Unternehmen W&K gegründet mit dem Ziel, professionell Bitcoins zu minen. Nach Kleimans Tod habe Wright dessen frühere Geschäftspartner kontaktiert und gesagt, Kleiman habe zu Lebzeiten eine große Anzahl Bitcoins erstellt. Er wolle bloß wissen, ob seine Computer sicher seien.