Was haben die Multimedia- und Software-Plattform Adobe Flash und die Comicfigur Kenny McCormick aus South Park gemeinsam? Beide sterben regelmäßig, nur um wenig später wieder putzmunter dort weiterzumachen, wo sie aufgehört haben. Im Fall von Flash ist es wieder einmal so weit. "Flash ist tot", heißt es auf Nachrichtenseiten und in den sozialen Netzwerken. Endgültig. Echt jetzt.

Naja.

Was stimmt: Der Name Flash wird aufgegeben, jedenfalls zum Teil. Aus der Animationssoftware Flash Professional wird mit dem nächsten großen Update im Januar nämlich Animate CC. Das gaben die Entwickler in einem YouTube-Video bekannt. Zwar wird es mit Animate CC weiterhin möglich sein, Flash-Inhalte zu erstellen, die auch weiterhin Flash heißen. Die Software soll künftig aber auch gleichwertige Animationen in den offenen Standards HTML5 oder WebGL ausgeben können. In einem Blogeintrag heißt es weiter, HTML5 sei "die Web-Plattform der Zukunft". So ähnlich hatte sich Adobe zwar bereits 2011 geäußert, trotzdem interpretieren viele die Zeilen als Zeichen, dass Adobe das Flash-Format langsam aber sicher sterben lässt.

Wieder mal.

Wer in die jüngere Geschichte blickt, sieht eine erstaunliche Reihe von Abgesängen und Todesmitteilungen, wenn es um Flash geht. Noch um die Jahrtausendwende galt die Technik als elegantes Mittel, um Animation, Sound und Websites zusammenzubringen. Als YouTube im Jahr 2005 online ging, wurde Flash plötzlich zum quasi-Standard für Videoplattformen im Web 2.0, im gleichen Jahr übernahm Adobe den Entwickler Macromedia. In den vergangenen Jahren aber geisterte Flash wie ein Zombie durchs Netz – unbeliebt, aber unausweichlich für die Mehrheit der Nutzer. Und das, obwohl es eigentlich gar nicht mehr existieren dürfte, wie die folgende Chronologie zeigt.

Alles hat ein Ende, nur Flash hat hundert

Es ist das Jahr 2007 und Microsoft hat Flash getötet. Genauer gesagt Microsoft Silverlight, ein Framework für Internetinhalte, das vor allem für Videostreaming eingesetzt wird. Tatsächlich gelangt Silverlight in den kommenden Jahren zu einer gewissen Bekanntheit, Dienste wie Netflix und Amazon Video setzen bis heute auf die Technik. Das dürfte sich bald ändern, denn zwischenzeitlich kündigte Microsoft an, die aktive Entwicklung an Silverlight einzustellen. Flash lebt weiter.

Es ist das Jahr 2009 und HTML5 hat Flash getötet. Der neue und aufstrebende Webstandard ermöglicht neue Multimedia-Anwendungen im Browser. Audio, Video, Spiele – vieles, was mit Flash möglich ist, kann auch HTML5 prinzipiell. Mit den Vorteilen, dass es keine zusätzlichen Plug-ins benötigt und nicht von einem einzelnen Unternehmen entwickelt wird. Heute nutzen immer mehr Websites HTML5, jeder aktuelle Browser unterstützt die Sprache, die erst im Oktober 2014 finalisiert wurde. Flash lebt trotzdem weiter.

Es ist das Jahr 2010 und Steve Jobs hat Flash getötet. Der Thoughts on Flash betitelte offene Brief des Apple-Gründers rückt Flash erstmals in den Mittelpunkt der Kritik. Jobs kritisiert die proprietäre Technik von Adobe, die fehlende Unterstützung für Touch-Eingaben, die mangelnde Sicherheit und schlechte Performance. Deshalb würde Apple Flash auf seinen mobilen Geräten nicht erlauben. Dass Flash-Videos nicht ohne Weiteres auf iPhones und iPads laufen, hat Adobe aller Bedenken zum Trotz gut verkraftet. Steve Jobs ist tot. Flash lebt weiter.

Es ist das Jahr 2011 und Adobe hat Flash getötet. Moment, was? Tatsächlich schreiben die Entwickler in einem Blogbeitrag, dass sie sich künftig vor allem um die Entwicklung von PC-Browsern und Flash-Apps mithilfe von Adobe Air kümmern möchten und nicht mehr um einen Flash-Player für mobile Browser. Viele glauben daraufhin, dass Flash-Inhalte in einem zunehmend mobilen Internet aussterben werden. Sie irren. Flash lebt dort weiter, wo es ohnehin schon immer zu Hause war: auf Desktop-PCs.