Der Weg zum allwissend-intelligenten Chatbot ist noch weit, wie Poncho zeigt:

"Sag mir das Wetter!"
"Bist du auf einem Boot? Ich finde nämlich keine Ergebnisse für diesen Ort."
"Ich bin in Berlin."
"Sorry, ich habe gerade mein Handy geladen. Was wolltest du sagen?"
"Wetter Berlin"
"Das Wetter in Berlin ist wolkig bei 9 Grad."
"Und morgen?"
"Purrrrdon?"
"Wetter Berlin Samstag"
"Das Wetter in Berlin ist wolkig bei 9 Grad."
"Wird es regnen?"
"Es wird später wolkig sein."
"Wolken sind kein Regen."
"Purrrrdon?"

Selbst bei seiner vermeintlichen Kernkompetenz – der Wetteransage – scheitert Poncho an einfachen Fragen. Wer einfach "Wetter Berlin" in Google eingibt, bekommt mehr Informationen, als sie Poncho nach zwei Minuten Gespräch herausrückt. Ähnlich sieht es im Dialog mit anderen Bots aus, die Facebooks Messenger zum Auftakt anbietet. Rund 40 Unternehmen haben Bots angekündigt, verfügbar sind zurzeit bloß ein knappes Dutzend, wie die Website Botlist zeigt.

Die meisten davon funktionieren weniger über freie Eingaben als über klar definierte Befehle. Im Bot der Washington Post können sich die Nutzer mit Eingaben wie "Top News" die aktuellen Schlagzeilen anzeigen lassen oder einzelne Börsenwerte abrufen. Eine Suche nach Schlagworten wie "Flüchtlinge" entlockt ihm aber keine Nachrichten zu diesem Thema. Zumindest das funktioniert einigermaßen im Bot von CNN, aber auch der reagiert in vielen Fällen bloß mit einem schulterzuckenden Emoticon und der gleichen Antwort: "¯\_(ツ)_/¯ Versuche es noch einmal?" Wäre der Bot ein Mensch, hätte ich spätestens nach der dritten Nachfrage den Raum verlassen.

© Screenshot

Andere Bots versuchen, die technischen Unzulänglichkeiten mit menschlicher Unterstützung abzufangen. Der Onlinemodehändler Spring bietet zum Auftakt den Nutzern eine grobe Auswahl an Produkten an: Kleidung, Schuhe, Accessoires. Wer Schuhe auswählt, kann nach Preis und Größe suchen und bekommt schließlich eine kleine Auswahl an Schuhen mit Bildern vorgestellt, die sich direkt aus dem Messenger-Fenster kaufen lassen. Wer nach etwas Bestimmten sucht, landet früher oder später bei einem Assistenten von Spring.

"Ich möchte ein Hemd."
(Zehn Minuten später)
"Hallo, nur zur Info, hier spricht ein Mensch. Soll ich dir einige Jacken (sic!) vorstellen oder möchtest du lieber mit dem Spring Bot sprechen?"
"Mit dem Bot, ich teste ihn."
"Klingt gut! Tippe einfach 'Go Shopping' ein, um ihn neu zu starten."
"Alles klar, danke."
(Zwei Stunden später)
"Oh hi, wir sind's wieder. Sag uns doch, ob du noch weiter shoppen möchtest. Falls nicht, kein Problem :)"

Facebooks Bots sind bisher frustrierend

Abgesehen von neuen Spamkanälen ist Facebooks Bot-Erlebnis zum jetzigen Zeitpunkt frustrierend. Zwar basiert jeder Bot prinzipiell auf Facebooks Technik, jeder Anbieter kann ihn aber anders einrichten. Die "sprechende Benutzeroberfläche" der Zukunft spricht also nicht nur eine Sprache, sondern Hunderte. Was nichts anderes bedeutet, als dass jeder Nutzer die Sprache jedes Bots zunächst lernen muss, um mit ihm zielgerichtet zu kommunizieren. Was unweigerlich zur Frage führt: Wieso sollte ich in einem kleinen Chatfenster im Messenger einkaufen, wenn es auf der Website mehr Informationen gibt? Was kann ein Bot wie Poncho mehr liefern als ein Wetter-Widget auf dem Smartphone? Die Antwort: Nicht viel, jedenfalls noch nicht.

Die Bot-Evangelisten spielen derweil auf Zeit. Sie sagen: Bots werden besser, keine Frage. Dafür sollen die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz sorgen. Tatsächlich können die Chatbots von Facebook, Microsoft und anderen auf Daten zugreifen, die Weizenbaum vor 50 Jahren mit Eliza nicht hatte: selbstlernende Algorithmen etwa, die auf Facebooks Servern arbeiten und mit jeder Interaktion "klüger" werden. Oder Big-Data-Analysen, die für jeden Nutzer individuell angepasste Antworten liefern. Der Bot eines Pizzalieferdienstes könnte lernen, wie Nutzer mit ihren "echten" Freunden sprechen und sich deren Sprache aneignen. Kein "Purrrrdon" und kein "¯\_(ツ)_/¯ mehr.