Wir nähern uns dem dritten Jahrestag der Snowden-Enthüllungen. Eine kurze Zusammenfassung: Der beim NSA-Auftragsnehmer Booz Allen Hamilton angestellte Analyst Edward Snowden hatte eine ganze Menge streng geheimer Dokumente des US-Geheimdienstes kopiert und sie im Juni 2013 ein paar ausgesuchten Journalisten zur Verfügung gestellt. Seitdem wissen wir ansatzweise, welche Überwachungsmöglichkeiten die NSA und ihre Bündnispartner haben. Snowden selbst lebt derzeit in Moskau im Exil, twittert fleißig, spielt Technotracks ein und spricht gelegentlich per Videoschalte auf Konferenzen. Nächste Woche etwa auf der re:publica in Berlin.

Die Geschichte der Enthüllungen wurde von der Filmemacherin Laura Poitras in der Dokumentation Citizenfour ziemlich gut erzählt. Kein Wunder, sie war ja dabei. Vergangenes Jahr bekam Citizenfour den Oscar für den besten Dokumentarfilm.

Weil die Geschichte von Ed Snowden aber auch vieles von einem klassischen Agententhriller hat (Überwachung! Geheimniskrämerei! Verrat! Russland!), ist auch Hollywood darauf aufmerksam geworden. Regisseur Oliver Stone, der vor vielen Jahren mit Platoon, JFK und Natural Born Killers ein paar ganz ordentliche Filme drehte, danach aber ins Mittelmaß abdriftete, nimmt sich Snowdens Story an. Sein Spielfilm heißt einfach Snowden, kommt im September in die Kinos und der Inhalt scheint ähnlich kreativ zu sein wie der Titel. Das jedenfalls lässt der erste veröffentlichte Trailer vermuten, den wir hier genauer analysieren.

Juhu, Geek-Klischees!

Die erste Einstellung ist gewissermaßen eine Grundzutat für Filme von Oliver Stone: Ein Trupp US-Soldaten joggt im Morgennebel vor aufgehender Sonne. Kurz darauf sieht man den jungen Ed Snowden, gespielt von Joseph Gordon-Levitt, wie er mit dickrandiger Brille durch den Schlamm robbt, und fragt sich, ob Kontaktlinsen für eine solche Betätigung nicht die bessere Wahl wären. (Wir wir inzwischen von aufmerksamen Lesern gelernt haben, sind Kontaktlinsen nicht erlaubt. Stattdessen bekommen alle Rekruten eine Standardbrille, die von Natur aus sehr geeky aussieht. Wie passend.)

© Screenshot/Open Road Films

Um den Zuschauern zu zeigen, dass nicht nur die Brille den Geek ausmacht, darf Snowden im Krankenhaus einen Laptop nutzen. Dort liegt er übrigens, weil er sich in seiner Militärausbildung beide Beine bricht (das passierte wirklich). Doch keine Angst, sagt sein Arzt: "Es gibt andere Wege, deinem Land zu dienen."

© Screenshot/Open Road Films

Zum Beispiel in der CIA. Nachdem Snowden von einem griesgrämigen CIA-Häuptling mit tiefer Stimme ausgefragt wird, darf er seine PC-Künste unter Beweis stellen. Normalerweise brauchten die Bewerber fünf Stunden, heißt es. Ob damit die Einrichtung eines Druckers über WLAN gemeint ist, ist unklar. Snowden jedenfalls schafft es in 38 Minuten. Success!

© Screenshot/Open Road Films

38 Minuten? "Damit kannst du alles machen", sagt der CIA-Häuptling. Außer erklären, was genau die Codezeilen auf den riesigen Bildschirmen im Hintergrund des Testraumes bedeuten.

© Screenshot/Open Road Films

Snowden jedenfalls ist jetzt drin im elitären Kreis der Geheimdienste. Und hat gleich ein Problem: Seiner Freundin kann er von seiner Arbeit natürlich nichts erzählen, was beim Abendbrot das Gespräch regelmäßig ins Stocken bringt.

© Screenshot/Open Road Films

Nicolas Cage und sein Nicolas-Cage-Gesicht spielen auch mit.

© Screenshot/Open Road Films

Wie es sich für einen Hollywoodfilm gehört, muss die Überwachung unbescholtener Bürger nicht glaubhaft, aber effektreich vermittelt werden. Die Effektspezialisten haben sich da mal was ausgedacht.

© Screenshot/Open Road Films

Falls die Zuschauer es bis dato nicht mitbekommen haben: Edward Snowden ist ein Geek. Deshalb chattet er auch auf einer Plattform namens geek-mate.com (was wohl seine Freundin dazu sagt) und teilt journeygirl_14 mit, dass Ghost in the Shell zu seinen Lieblingen gehört. Die Manga-Serie handelt unter anderem von Hackern, Künstlicher Intelligenz und, aufgepasst, Geheimdiensten.

© Screenshot/Open Road Films

Übrigens: Die Domain geek-mate.com enthält zwar keine Inhalte, ist aber bereits registriert. Und zwar vom deutschen Unternehmen KrautPack Entertainment. Und das gehört zu den Co-Produzenten von Snowden.