Quizfrage: Was haben ein Clownsgesicht, ein Döner, ein Wasserball und ein Glas Milch gemeinsam? Die Antwort: Sie alle gibt es demnächst offiziell als Emoji. Wenn demnächst die neunte Version des Unicode-Zeichensatzes veröffentlicht wird, können App-Entwickler und Smartphonehersteller diese und ein paar Dutzend weitere neue Emojis in ihre Tastaturen aufnehmen. Das vergangene Jahr über hat sich ein Komitee des Unicode-Konsortiums mit den Vorschlägen beschäftigt, eine Kandidatenliste erstellt und schließlich darüber abgestimmt.

Auch das Gewehr-Emoji galt als sicherer Neuzugang. Nun aber wurde es kurzfristig aus der Liste gestrichen. Wie Buzzfeed berichtet, forcierte Apple diese Entscheidung. Die stimmberechtigten Vertreter des Unternehmens sollen sich in der letzten Sitzung des Komitees dagegen ausgesprochen haben. Demnach wollte Apple das Emoji auf seinen Geräten, also vorrangig auf iPhones und Diensten wie iMessage, nicht unterstützen. Nachdem sich auch die Vertreter von Microsoft kritisch äußerten, wurde die Aufnahme einstimmig abgelehnt.

Mark Davis, Vorsitzender des Unicode-Konsortiums, bestätigte im Gespräch mit Buzzfeed die Entscheidung, sagte aber nichts über die genauen Hintergründe. Allerdings wird gemutmaßt, dass die jüngsten Vorfälle in den USA etwas damit zu tun haben. Vergangene Woche erst wurden in einem Club in Orlando 49 Menschen erschossen. Die Tatwaffe war ein Sturmgewehr, das ursprünglich für den Armeeeinsatz konzipiert wurde, inzwischen aber unter vielen Hobbyschützen in den USA beliebt ist. Seitdem stehen der Verkauf und die Verbreitung dieser Waffen wieder verstärkt in der Kritik.

Anti-Waffen-Gruppen kritisierten das Emoji

Das konkrete Attentat in Orlando hat mit der jetzigen Entscheidung allerdings nichts zu tun. Diese fiel nämlich bereits im Mai, also einige Wochen zuvor. Das vorgeschlagene Gewehr-Emoji zeigte auch kein Sturmgewehr, sondern ein Jagd- und Sportgewehr. Es wurde als Teil einer Serie von Emojis vorgeschlagen, die auf die diesjährigen olympischen Sommerspiele abzielen. Dort ist Schießen eine Disziplin wie Wasserball, den Nutzern künftig ein Gewehr-Emoji anzubieten, ist vor diesem Hintergrund also nachvollziehbar.

Ebenso nachvollziehbar ist der Einfluss der Waffendebatte, auch jenseits von Orlando. Zuletzt wurde sie wieder hitziger, auch weil US-Präsident Barack Obama schärfere Gesetze forderte. Schon als das Gewehr-Emoji vergangenes Jahr vorgeschlagen wurde, gab es kritische Stimmen über seinen Nutzen und seine Verwendung. Gegenstimmen erwiderten, es gebe längst auch ein Pistolen- und Bomben-Emoji – übrigens auch bei Apple (allerdings wurden diese auf Desktoprechnern mit OS X zunächst nicht angezeigt). In Onlineforen wie Reddit wird die Entscheidung diskutiert: Könnte man nicht als Nächstes das stirnrunzelnde Smiley verbieten, fragt ein Nutzer spöttisch. Es könnte die Menschen ja traurig machen.

Abgesehen von den tatsächlichen Beweggründen legt die Entscheidung des Unicode-Konsortiums zwei interessante Trends offen. Zum einen demonstriert sie den Einfluss, den die großen Technikunternehmen auf eine gemeinnützige Organisation haben. Viele Emojis sind Entwicklern von Google oder Apple zu verdanken, die Unternehmen pflegen Listen mit Emojis, die sie sich besonders gerne wünschen, wie aus internen Dokumenten hervorgeht. In den Abstimmungen sind neben Apple auch Vertreter von Facebook, Microsoft, IBM und Yahoo anwesend.

Ihr Einfluss auf die Wahl neuer Emojis ist groß, denn es sind vor allem ihre Produkte, die sie verbreiten: Messenger wie Apples iMessage oder Facebooks  Messenger und WhatsApp stellen täglich Milliarden Nachrichten zu. Sollten sie ein von Unicode standardisiertes Emoji ablehnen, wüssten viele Menschen nichts von seiner Existenz. Oder anders gesagt: Was nützt ein standardisiertes Emoji, wenn es keiner nutzt? Da ist es nicht überraschend, dass ein einflussreiches Unternehmen wie Apple offenbar ein Veto einlegen kann.