Als Asem Hasna sein Bein im Syrien-Krieg verlor, brachte das sein Leben für einige Zeit zum Stillstand. "Ein Jahr lang ging gar nichts mehr", berichtet der Kriegsflüchtling. Dann habe er die Möglichkeiten digitaler Technologien entdeckt. "Das war, als würde ich in eine neue Welt eintreten." Als frisch ausgebildeter Experte für 3D-Druck konnte er mit dem Start-up Refugee Open Ware (ROW) nicht nur sich selbst, sondern auch andere Kriegsopfer im jordanischen Flüchtlingscamp mit einfachen und kostengünstigen Prothesen versorgen.

Heute unterrichtet Hasna Kinder aus deutschen und geflüchteten Familien in Robotik. Die Workshops finden in dem Flüchtlingslager in Berlin-Schöneberg statt, in dem er zurzeit auf die Bearbeitung seines Asylantrags wartet. "Lasst uns etwas tun, statt nur zu warten!" ruft Hasna seinen Leidensgenossen – und der deutschen Bürokratie – zu.  Sein Start-up, das von Jordanien aus operiert, bietet Geflüchteten nicht nur unbürokratische Hilfe an, sondern auch Jobperspektiven. Fachkräfte bildet ROW noch in den Lagern aus, wo sie in die Lösung von Alltagsproblemen eingebunden sind.

Das Beispiel soll Schule machen. So wünschen es sich  die Teilnehmer der ICT4Refugees-Konferenz, die am Dienstag in Berlin stattfand. Dort diskutierten Regierungsvertreter, Technologieunternehmen und Freiwilligengruppen über die Chancen und Möglichkeiten digitaler Technologien für die Flüchtlingshilfe.

WhatsApp ist auch für Flüchtlinge ein wichtiger Kanal

Dass das Smartphone vielen Menschen auf der Flucht als wichtiger Reisebegleiter dient, ist bekannt. Eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat nun genauer untersucht, wie Geflüchtete digitale Technologien nutzen.

Die Studie gab den Rahmen für die Konferenz vor. Mitarbeiter der Start-ups betterplace lab und Kiron Open Higher Education haben dafür von Februar bis März 108 Flüchtlinge in Jordanien, der Türkei und Griechenland interviewt. Während ihrer Feldforschungen trafen sie sich auch mit den Mitarbeitern verschiedener Hilfsorganisationen.

Die Studie ergab unter anderem, dass viele Flüchtlinge ein Smartphone besitzen, Familien sich aber häufig ein Modell teilen. Android-Betriebssysteme sind am weitesten verbreitet. WhatsApp und Facebook führen die Liste der meistgenutzten Apps mit großem Abstand an. Fast alle Geflüchteten nutzen diese beiden Dienste, um mit Angehörigen, Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben und als Haupt-Informationsquelle. Sie vertrauen diesen Informationen mehr Glaubwürdigkeit als offiziellen Verlautbarungen.

Tragfähige Geschäftskonzepte sind möglich

Die Autoren der Studie empfehlen den helfenden Organisationen und Unternehmen, bestehende Kommunikationskanäle wie Facebook und WhatsApp zu nutzen, statt eigene Lösungen zu entwickeln.

Abgesehen davon nutzten die Geflüchteten das Internet sehr unterschiedlich, sagte Ben Mason, einer der Autoren der Studie. Eine App, die alle Neuankömmlinge nutzten, gebe es nicht. 

Unter den speziell auf die Bedürfnisse von Flüchtlingen zugeschnittenen Web-Anwendungen erreicht lediglich 8rbtna  mit 30.000 Downloads und 3.000 bis 5.000 Besuchern am Tag eine große Verbreitung. Die Website beziehungsweise App bietet Nachrichten, Wohnungs- und Jobangebote für in der Türkei lebende Syrer. Etwa drei Millionen Syrer halten sich in der Türkei auf. Nur zehn Prozent leben in Lagern, alle anderen sind sogenannte urban refugees. Sie suchen Jobs und Bildungschancen für ihre Kinder.

Ein Syrer gründete 8rbtna 2013 in Zusammenarbeit mit dem International Rescue Committee, dem Disaster Tech Lab und Google. Der Service finanziert sich über Werbebanner und Gebühren. Das zeigt: Flüchtlinge sind durchaus eine interessante Zielgruppe für tragfähige Geschäftskonzepte.