Jacob Appelbaum hat sich erstmals zu den anonymen Anschuldigungen gegen ihn geäußert. Über Twitter verbreitete der Hacker und Aktivist ein Statement, dessen zentraler Satz lautet: "Die Vorwürfe gegen mich zu krimineller sexueller Nötigung (engl. sexual misconduct, wörtl. "Fehlverhalten") sind komplett falsch."

Mehrere anonyme Personen behaupten auf einer eigens eingerichteten Website, Appelbaum habe sie auf verschiedene Weise zu sexuellen Handlungen genötigt, sie gedemütigt und verletzt. Ein "FAQ" unter den Berichten legt nahe, dass die Verfasser aus verschiedenen Gründen nicht vorhaben, Strafanzeige zu stellen oder ihre Identität offenzulegen. Ob und inwieweit ihre Vorwürfe der Wahrheit entsprechen oder frei erfunden sind, lässt sich nicht feststellen.

Appelbaums bisheriger Arbeitgeber, das Tor-Projekt in den USA, hatte am Wochenende in einem Blogpost erklärt, "diese Art von Vorwürfen" bereits gekannt zu haben, jedoch nicht so konkret und ernsthaft wie jetzt. Man habe mit einigen der Verfasser gesprochen. Nach "ausgiebiger interner Diskussion" habe Appelbaum seine Stelle im Projekt aufgegeben.

Appelbaum berichtet von Todesdrohungen

Der 33-Jährige repräsentierte die Entwickler der Anonymisierungssoftware Tor jahrelang auf Konferenzen und in den Medien. Bekannt war er außerdem als WikiLeaks-Aktivist und enger Vertrauter von Julian Assange. Im Spiegel und im Guardian war er zudem an der Berichterstattung über die Snowden-Enthüllungen beteiligt. In der Freedom of the Press Foundation gehört er dem Technical Advisory Board an. Die Frage, ob sie weiter mit ihm zusammenarbeiten wird, hat die Stiftung bisher nicht beantwortet.

Appelbaum selbst schrieb jetzt, er habe angesichts dessen, wie mit den Anschuldigungen umgegangen worden sei, wohl kaum eine andere Wahl gehabt, als das Tor-Projekt zu verlassen. Er wolle sich nun auf sein Doktorandenstudium an der Technischen Universität Eindhoven konzentrieren.

Die Vorwürfe bezeichnete er als "gezielte und kalkulierte Attacke". Er sei "vage Gerüchte und Schmierkampagnen" sowie Versuche, seine Arbeit als "Verfechter von Meinungsfreiheit und einem sicheren Internet" zu diskreditieren, gewohnt. Nun aber seien die Angriffe so aggressiv geworden, dass er einiges klarstellen müsse. Er sei nicht nur fälschlicherweise ernsthafter Verbrechen beschuldigt, sondern sogar mit dem Tod bedroht worden. Er sei bereit, seinen Ruf auf dem Rechtsweg zu verteidigen, auch wenn der durch die Vorwürfe verursachte Schaden unmöglich zu beheben sei.

Appelbaum schreibt weiter: "Es mag Momente in meinem beruflichen oder privaten Leben gegeben haben, in denen ich unabsichtlich die Gefühle anderer verletzt oder beleidigt habe. Wann immer mir das bewusst war, habe ich mich bei den betroffenen Freunden und Kollegen entschuldigt." Das werde er auch in Zukunft tun.