Am Montag wollte sich Microsofts CEO Satya Nadella eigentlich vom Karrierenetzwerk LinkedIn abmelden. Am Ende hat er das Unternehmen aus Versehen gekauft.

So geht ein Witz, der am Montag in den sozialen Netzwerken tausendfach geteilt wurde. Es ist eine Anspielung auf die scheinbar unmöglich abzubestellenden und penetranten Newsletter von LinkedIn. Zumindest eine Sache aber stimmt: Microsoft hat für LinkedIn gerade 26,2 Milliarden US-Dollar bezahlt. Es ist die bislang größte Übernahme in Microsofts Firmengeschichte, entsprechend kontrovers wird sie diskutiert.

Zum einen, weil LinkedIn zuletzt nicht mehr ganz so erfolgreich war. Es ist mit 433 Millionen registrierten Nutzern zwar weiterhin das mit Abstand größte soziale Netzwerk für Geschäftskontakte, in dem sowohl Nutzer als auch Unternehmen ihr Profil einstellen können. Allerdings fiel der Börsenkurs des Unternehmens allein in diesem Jahr um 42 Prozent, die Nutzerzahlen wachsen längst nicht so stark wie erwartet. Gewinn hat LinkedIn seit der Gründung im Jahr 2002 ohnehin nie ausgewiesen.

Zum anderen, weil sich Microsoft in den vergangenen Jahren nicht immer mit seinen Übernahmen ausgezeichnet hat. 8,5 Milliarden US-Dollar gab das Unternehmen beispielsweise vor fünf Jahren für Skype aus, doch das Programm ist längst nicht mehr so beliebt wie damals. Mittlerweile sind viele Privatnutzer zu Messengern wie WhatsApp und viele Unternehmen zu Diensten wie Slack gewandert. Wirklich weiterentwickelt hat Microsoft Skype nicht, trotz Ankündigungen wie dem fast schon obligatorischen Einsatz von Chatbots. Skype ist zwar ein beliebter Dienst zur Videotelefonie, aber eben nicht die unverzichtbare Kommunikationsplattform, die sich Microsoft ursprünglich erhoffte.

Noch schlechter lief die Übernahme des Handygeschäfts von Nokia vor drei Jahren. Damit wollte Microsoft sein mobiles Windows als dritte Kraft neben Android und iOS etablieren. Windows-Smartphones aber blieben ein Nischenprodukt. Im vergangenen Sommer schrieb Microsoft die Reste von Nokia wieder ab, was zum größten Quartalsverlust der Unternehmensgeschichte führte.

Ein zentrales Profil für Windows

Nun also versucht es Microsoft mit LinkedIn und es bleibt die Frage: Was hat Microsoft unter Satya Nadella vor? Hinweise liefert das interne Memo, das der CEO der Belegschaft am Montag schickte: "Unser Ziel ist es, Produktivität und Geschäftsabläufe neu zu erfinden", heißt es darin. LinkedIn soll mit den bestehenden Diensten wie Office 365 und der Unternehmenslösung Dynamics verknüpft werden. Microsoft geht es weniger darum, nun auch ein soziales Netzwerk in seinem Portfolio zu haben, sondern darum, dessen Nutzer in seine Dienste zu integrieren.

Konkreter: LinkedIn soll zum zentralen Profil in Microsofts Diensten werden. Wer Office, Outlook, Skype und Windows beruflich nutzt, kann dies möglicherweise in Zukunft mit seinem LinkedIn-Profil tun und ist gleichzeitig mit anderen Menschen und Unternehmen vernetzt. Arbeitet beispielsweise ein Programmierer an einem Projekt und benötigt Unterstützung, kann er direkt aus seiner Arbeitsumgebung heraus auf die Expertise von Experten zurückgreifen. Wer ein Meeting hat, kann sich direkt Informationen über die Arbeit und den Werdegang der Gesprächspartner einblenden lassen, ein persönlicher Newsfeed soll die Nutzer mit Neuigkeiten versorgen.