Das Stichwort heißt social workplace – sozialer, also vernetzter Arbeitsplatz. Tatsächlich könnten sich Microsoft und LinkedIn hier gut ergänzen. Eine Grafik in der offiziellen Präsentation zur Übernahme illustriert die sogenannten Graphen der beiden Unternehmen. Jeder Graph besteht aus verschiedenen, miteinander verknüpften Datenbanken:

Die Kernkompetenzen von Microsoft und LinkedIn © Microsoft

Microsoft hat demnach derzeit vor allem Informationen über Dokumente (Office), Termine (Outlook) und Nachrichten (Skype). LinkedIn kennt dafür den Arbeitsmarkt (Jobsuchende), Personalabteilungen (die das Netzwerk kostenpflichtig nutzen) und Institutionen (Universitäten). Es gibt wenige Überschneidungen zwischen beiden Graphen, aber gleichzeitig viele Schnittstellen, um sie zusammenzubringen. Und dass Microsoft die mit LinkedIn neu gewonnenen Nutzer- und Arbeitsmarktdaten gleich noch seiner persönlichen digitalen Assistentin Cortana geben kann, ist sicherlich ein Bonus.

LinkedIn muss weiterwachsen

Betrachtet man die größere Entwicklung, führt Microsoft unter Nadella den Trend zum Dienstleistungsunternehmen fort. Das Unternehmen will nicht mehr wie mit seinen Smartphones und Messengern direkt mit Apple, Facebook oder Google in Konkurrenz stehen, sondern sich vor allem im Geschäftsbereich unerlässlich machen. Die Cloud-Plattform Azure ist längst eines der wichtigsten Bereiche des Unternehmens, die Unternehmenssoftware Dynamics bringt Kunden und Dienstleister zusammen und das für 2,5 Milliarden US-Dollar übernommene Videospiel Minecraft will Microsoft noch in diesem Jahr in die Schulen bringen.

Die größte Herausforderung für Microsoft dürfte es sein, neue Nutzer zu LinkedIn zu locken und ihnen einen Mehrwert zu geben, der über den bisherigen Netzwerkgedanken hinausgeht. Zuletzt machte LinkedIn nicht mit Innovationen, sondern vor allem mit Meldungen über bereits vor Jahren gehackte Nutzerdaten Schlagzeilen. Die Anleger sind ebenfalls skeptisch, die Microsoft-Aktie verzeichnete nach der Ankündigung einen leichten Verlust. Nadella muss ihnen in den kommenden Monaten zeigen, dass er LinkedIn am Ende nicht doch nur aus Versehen gekauft hat.