Apple hat den Trend der Stunde im Netz erkannt. Nein, nicht künstliche Intelligenz. Sondern Emojis. Unter allen am Montag zu Beginn der Entwicklerkonferenz WWDC angekündigten Veränderungen in seinen Betriebssystemen stach eine heraus: Die Nachrichten-App wird mächtig aufgebohrt. Wer ein iPhone besitzt und das im Herbst erscheinende Betriebssystem iOS 10 installiert, soll sich mit Emojis, Effekten und Fotomontagen kreativ austoben können, so wie es Nutzer von Snapchat und WhatsApp auch können.

Nach den Entwicklerkonferenzen von Microsoft, Facebook und Google, die allesamt nicht weniger als ein neues Zeitalter der Computerbedienung ausgerufen hatten, wirkte Apples Präsentation eher defensiv. Vieles, was Apple vorstellte, gibt es in den Betriebssystemen und Apps der Konkurrenz schon, Apple hat offenbar einen Nachholbedarf erkannt. Unter anderem beim Messaging, einem Bereich, in dem WhatsApp, Snapchat und andere beliebter sind als Apples hauseigene App.

Zu Beginn war alles noch sehr ernsthaft. Apple-CEO Tim Cook sprach zunächst den Angehörigen der Opfer von Orlando sein tiefstes Mitgefühl aus und bat die Anwesenden im Bill Graham Civic Auditorium aufzustehen, für einen Moment der Stille.

Kurz darauf begann die zweistündige Vorstellung der wichtigsten Neuerungen in den kommenden Versionen der vier Betriebssysteme von Apple. Die wichtigsten im Überblick:

watchOS

Das Betriebssystem der Apple Watch soll in der Version watchOS 3 schneller werden, beim Start von Apps etwa um den Faktor sieben. Damit würde Apple eines der größten Ärgernisse der Smartwatch beseitigen. Bisher laufen Apps auf ihr oft reichlich träge.

Spielerisch wurde es erstmals bei der erweiterten Scribble-Funktion: Nutzer werden künftig mit dem Finger einen Buchstaben nach dem anderen auf das Display kritzeln können, quasi übereinander, und watchOS übersetzt das in die richtige Abfolge von getippten Buchstaben, zum Beispiel für eine Antwort auf eine Kurznachricht. Bei Bedarf soll das übrigens auch in Mandarin funktionieren.

Wer möchte, kann mit watchOS 3 die Statistiken seiner Aktivitäts-App mit anderen teilen. Man sieht dann, wer aus dem Freundeskreis schon wie nahe an seinem täglichen Aktivitätsziel ist. Eine Möglichkeit, sich gegenseitig anzufeuern oder zu necken, wird ebenfalls integriert.

Was viele Entwickler ärgern dürfte: Noch immer bekommen sie keine Möglichkeit, eigene Watchfaces anzubieten. Wie die Oberfläche der Apple Watch aussieht, will Apple weiterhin selbst unter Kontrolle haben.

tvOS

Die Plattform des Apple TV soll vor allem bequemer werden. Die Fernbedienungs-App fürs iPhone etwa bekommt alle Funktionen, die auch die eigentliche Fernbedienung hat. Siri wird auch innerhalb der YouTube-App nach Videos suchen können. Mit einem Single-sign-on wird es möglich sein, nach einmaliger Anmeldung alle Apps zu nutzen, die bisher eine separate Passworteingabe benötigten. Das war bisher einer der nervigsten Nachteile von tvOS.

OS X

Das Betriebssystem für den Mac wird wie erwartet umbenannt in macOS. Es gab daraufhin den bis zu diesem Zeitpunkt lautesten Jubel im Saal. Manche Menschen sind eben leicht zu beeindrucken. Der Name des kommenden macOS: Sierra.

Sierra wird durchaus wichtige Neuerungen mit sich bringen. Wie erwartet, kommt Siri auf den Mac und wird damit Bestandteil aller vier Apple-Betriebssysteme. Die virtuelle Assistentin bekommt einen eigenen Button im Dock. Sie sucht dann auf ein entsprechendes gesprochenes Kommando nach Dateien auf dem Rechner oder nach Fotos im Internet, versteht auch Folgefragen und streut mehr oder weniger witzige Bemerkungen ein, wenn sie die Ergebnisse anzeigt.