Die Betreiber der Dating-Website Ashley Madison haben zugegeben, dass sich bei ihr Chatbots für Frauen ausgaben, um männlichen Kunden Geld zu entlocken. In den USA sei diese Vorgehensweise im Jahr 2014, und international 2015 eingestellt worden, teilte der kanadische Betreiber Avid Life Media mit. Die Vorwürfe gab es bereits seit einem Jahr.

Das Unternehmen gab außerdem die Berufung von Rob Segal zum Firmenchef bekannt. Der Vorgänger Noel Biderman war im August 2015 zurückgetreten – zum einen wegen der Betrugsvorwürfe. Zum anderen aber wegen eines Hacker-Angriffs, der Daten von Kunden offengelegt hatte. Es handelte sich um einen Datensatz mit einer Größe von 9,7 Gigabyte, der knapp 33 Millionen Nutzerdaten, Kreditkartentransaktionen, verschlüsselte Passwörter, interne E-Mails, Chatlogs und Admin-Logins enthielt. Dieses Datenleck war für die Kunden ganz besonders verheerend, da Ashley Madison sich als Portal für Seitensprünge vermarktete. Segal entschuldigte sich nun im Wall Street Journal ausdrücklich dafür.

Die Bot-Software gaukelte männlichen Nutzern vor, eine Frau zu sein, die sich für sie interessiert. Da die Männer für das Verschicken von Nachrichten Geld bezahlten, konnte Ashley Madison mit dem Betrug Geld verdienen. Jetzt versicherte das Unternehmen, Bots würden nicht mehr eingesetzt und das werde auch in Zukunft so bleiben.

"Wir verändern uns" twitterte das Unternehmen, nachdem der Account von Ashley Madison seit August vergangenen Jahres nicht mehr genutzt wurde.

In den USA und Kanada zählte Ashley Madison im vergangenen Jahr zu den größten Angeboten, das sich nicht bloß auf Onlinedating, sondern gezielt auf Seitensprünge spezialisiert hat. Betreiber ist das kanadische Unternehmen Avid Life Media, das auch die beiden ähnlichen Portale Established Men und CougarLife verwaltet.

Ashley Madison ist nicht die einzige Dating-App, der systematischer Betrug vorgeworfen wird. Vor etwa vier Wochen gab es auch in Deutschland Razzien gegen die Betreiber der Dating-App Lovoo. Ein Whistleblower hatte ihnen Betrug mit gefälschten Frauenprofilen vorgeworfen. Die Gründer wurden bei der Polizeiaktion verhaftet.