Bundesinnenminister Thomas de Maizière setzt im Kampf gegen Hackerangriffe bei Behörden auf schnelle Eingreiftruppen. "Bei Cyberattacken von erheblichem Ausmaß in besonders wichtigen Einrichtungen müssen wir vor Ort präsent sein. Ich werde daher im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eine entsprechende 'schnelle Eingreiftruppe' aufbauen, die mit unseren Sicherheitsbehörden eng kooperiert," sagte de Maizière dem Spiegel. De Maizière konkretisierte damit Pläne, die von seinem Ministerium bereits im Mai bestätigt worden waren. So sollen die mobilen Spezialteams Teil einer neuen Cybersicherheitsstrategie sein, die de Maizière bei der Kabinettsklausur in Meseberg vorgestellt hatte.

Der bislang geheime Entwurf der Cybersicherheitsstrategie liegt ZEIT ONLINE und dem Deutschlandfunk vor. Demnach plant der Minister drei schnelle Eingreiftruppen. Neben dem BSI sollen auch das Bundesamt für Verfassungsschutz und das Bundeskriminalamt (BKA) eine sogenannte Quick Reaction Force erhalten, die an jedem Tag und zu jedem Zeitpunkt ausrücken können sollen.

Geplant ist zudem, das BSI und das Cyberabwehrzentrum des Bundes in Bonn stark auszubauen. Des Weiteren soll eine Einheit von Fachleuten geschaffen werden, die besonders schnell Probleme analysieren, bei deren Lösung helfen können und eine Art Lagezentrum bilde. Das Cyberabwehrzentrum soll alle staatlichen Behörden verbinden, angefangen von BSI und Bundeswehr über Polizeien und Geheimdienste bis hin zum Zoll.

De Maizière will bei der Abwehr von Cyberattacken auch die Wirtschaft stärker in die Pflicht nehmen. "Wirtschaft und Staat müssen in kaum einem Bereich so eng zusammenarbeiten wie bei Cybersicherheit", sagte er.


Der grüne Netzpolitiker Konstantin von Notz kritisierte, die Cybersicherheitsstrategie sei nicht geeignet, IT-Sicherheit effektiv zu erhöhen. Die Zusammenarbeit ziviler, militärischer und geheimdienstlicher Strukturen werfe erhebliche Fragen auf, die bislang nicht beantwortet würden. Außerdem habe er im Hinblick auf die geplante Kooperation staatlicher Stellen mit den Providern und das Scannen jedweder Kommunikation erhebliche Bedenken.

"Statt endlich grundsätzliche Weichenstellungen zur Verbesserung der IT-Sicherheit, zum Schutz digitaler Infrastrukturen und privater Kommunikation vorzunehmen, werden Verfassungsprinzipien offen infrage gestellt und ohnehin bereits unübersichtliche Zuständigkeiten weiter zerfasert", kritisierte von Notz.