Am vergangenen Mittwoch begannen die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio. Nichts davon mitbekommen? Das liegt am speziellen Kalender des Internationalen Olympischen Komitees, kurz IOC: Die Funktionäre haben den offiziellen Start der Spiele auf den 27. Juli datiert, neun Tage vor der eigentlichen Eröffnungsfeier.

Für die Sportler bedeutet der vorgezogene Startschuss: Von nun an stehen sie unter Beobachtung – noch nicht im Wettkampf, dafür jedoch auf Facebook und Twitter. Jedes falsche Bild, jeder arglos gewählte Hashtag kann in den nächsten Wochen zum Problem werden, vielleicht sogar den Traum von der Goldmedaille zerstören.

Klingt irre? Ist es auch.

Grund sind die strikten Werbeverbote, die das IOC den Olympioniken und ihren Sponsoren diktiert. Verboten ist laut Olympischer Charta, Regel 40: "Kein Wettkampfteilnehmer, Trainer, Betreuer oder Funktionär darf seine Person, seinen Namen, sein Bild oder seine sportliche Leistung für Werbezwecke während der Olympischen Spiele einsetzen, außer dies wurde vom IOC genehmigt."

Penibel ist geregelt, wer was nicht darf

Das Problem für Sportler und Sponsoren: Für den IOC stellt schon jeder Tweet, in dem ein Sprinter seinen Schuhhersteller erwähnt, eine unerlaubte Werbung dar. Das Komitee greift damit tief in die Social-Media-Aktivitäten der Athleten ein. Penibel ist in seitenlangen Leitfäden geregelt, wer was wie im Internet posten darf. Und vor allem was nicht.

Unternehmen ist es demnach strikt verboten, sich selbst in irgendeiner Weise mit der Olympiateilnahme der von ihnen gesponserten Athleten in Verbindung zu bringen. Konkret heißt das: Hashtags wie #Olympia oder #Olympisch dürfen von Unternehmen während der Spiele grundsätzlich nicht genutzt werden. Steht laut IOC ein Tweet in "inhaltlichem Bezug zu Olympia", umfasst die Verbotsliste sogar vermeintlich unverfängliche Hashtags wie #Sommer, #Sieg oder #Performance.

Stellenweise lesen sich die Vorgaben des Komitees zu Social-Media-Posts der Sportler wie eine Anleitung zum Spieleklassiker Tabu, bei dem Spieler Begriffe erklären und dabei offensichtliche Assoziationen vermeiden müssen. Sonst gibt es Punktabzug.