In einer für mehrere Wochen angesetzten Verhandlung wehrt sich der Internetunternehmer Kim Dotcom ab dem heutigen Montag gegen seine Auslieferung von Neuseeland an die USA. Nachdem ein Gericht in Auckland im vergangenen Jahr der Auslieferung zugestimmt hatte, soll nun der dortige High Court über die Berufung Dotcoms entscheiden.

"Ich habe da nie gelebt, bin dort nie hingereist, hatte keine Firma dort", twitterte der 42-jährige Kieler am Montag zum Auftakt seiner Berufungsverhandlung gegen den Auslieferungsbescheid. Persönlich vor dem Gericht in Auckland erschien er nicht. Seine Anwälte warteten als Erstes mit einem Antrag auf, das Verfahren live im Internet übertragen zu dürfen. Dem gab der Richter zunächst nicht statt.

Seine Tauschplattform Megaupload war 2012 nach FBI-Ermittlungen abgeschaltet worden. Über das Portal sollen massenhaft illegale Kopien von Filmen und Musik verbreitet worden sein. Dotcom hatte den Ermittlern zufolge 2010 ein Einkommen von 42 Millionen Dollar. Sollte der in Kiel geborene Dotcom, der früher Schmitz hieß, tatsächlich ausgeliefert werden, droht ihm in den USA eine lange Haftstrafe.

Dotcom hat Sympathien verspielt

Dotcom weist die Vorwürfe weiterhin zurück und behauptet, nur eine Plattform betrieben und keine Kontrolle darüber gehabt zu haben, was Nutzer speicherten. Zudem kündigte er vor wenigen Wochen an, unter dem Namen Megaupload 2.0 am 20. Januar 2017 einen neuen Filehosting-Dienst zu starten. Er werde "ein Alptraum für alle, die überwachen und zensieren wollen", schrieb Dotcom auf Twitter. Er sucht dort auch nach Experten für Datenbanken, Datensicherheit und Verschlüsselung als Mitarbeiter.

Einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa zufolge sind die Neuseeländer der Dotcom-Show inzwischen überdrüssig. Anfangs hätten sie ihn noch für seinen Widerstand gegen "die da oben" bewundert, aber als der Deutsche 2014 versucht habe, mit der von ihm gegründeten Internet-Partei groß in die Politik einzusteigen, sei es mit der Sympathie vorbei gewesen, zitiert die dpa den Journalisten David Fisher. "Plötzlich hatten wir da diese sehr bombastische Person, die noch nicht mal ein Staatsbürger war, der versucht hat, sich in die Wahlkabinen der Menschen zu drängeln", sagte Fisher, Autor des Buches The Secret Life of Kim Dotcom.

Porno-Angebote hinter Megaupload.org

Seitdem mehrten sich die Stimmen, dass Neuseeland ohne Dotcom besser dran wäre. Die Faszination von Dotcom und seinem Lifestyle sei vorübergehend gewesen, etwa wie ein "Freak der Woche", sagte Fisher. Die Regierung wäre demnach froh, wenn Dotcom nicht mehr ihr Problem wäre. Nach den Wahlen 2014 sagte der sichtlich erleichterte Regierungschef John Key, die Wähler hatten sich gegen Ausländer ausgesprochen, die die Wahl beeinflussen wollten. Es sei Zeit, dass der Fall Dotcom die Gerichtsinstanzen durchschreite.

Pünktlich zum Verfahrensbeginn musste sich das FBI Häme von Dotcom gefallen lassen. So hat es die US-Bundespolizei offenbar wieder einmal versäumt, den Zugriff auf die von ihr beschlagnahmten Megaupload-Domains zu sichern. Nachdem über Megaupload.com zeitweise Pornos, Drogen und Malware angeboten worden waren, findet sich auf Megaupload.org derzeit eine Art Softporno- und Sexdating-Angebot.

Das IT-Portal Ars Technica geht davon aus, dass die FBI Cyber Division vergaß, die Domainregistrierung bei Cirfu.net zu erneuern, wohin beschlagnahmte Domains umgeleitet werden. Dotcom spottete anschließend auf Twitter über den US-Staatsanwalt Jay Prabhu: "Hallo Internet, ich bin Jay. Wegen mir leiten die Megaupload-Domains nun auf Porno-Seiten weiter."