KC Green kennt sich mit Memes und deren Verbreitung aus. Der 29-jährige Illustrator und Comiczeichner aus den USA hat in den vergangenen zehn Jahren selbst mehrere erschaffen. Dickbutt zum Beispiel, den anthropomorphischen Phallus, der gerne unverhofft am Ende animierter Gifs auftritt. Oder das Ragecomic Mother of God, das ein besonders überraschendes Ereignis beschreibt. Und auch der wahnsinnig dreinblickende Staredad geht auf Green zurück.

Das vielleicht bekannteste Meme aus Greens Hand aber zeigt einen Hund mit kleinem Hut und großen Kulleraugen, der in einem brennenden Haus sitzt und sagt: "This is fine." "Alles wird gut." Nur um dann grausam in den Flammen dahinzuschmelzen. Der Comicstrip aus dem Jahr 2013 ist gewissermaßen eine Adaption des Keep Calm and Carry On für das 21. Jahrhundert: Ruhig bleiben. Erst mal einen Kaffee trinken. This is fine.

Wie es sich für ein Meme gehört, wurde This is fine, oder zumindest die ersten beiden Panels des Comicstrips, mittlerweile geremixt, der Hund mit verschiedensten Charakteren ausgetauscht, animiert, auf T-Shirts gedruckt und zum geflügelten Wort für all jene Situationen, in denen die sprichwörtliche Kacke am Dampfen ist: Ein Putsch in der Türkei? This is fine. Großbritannien verlässt die EU? This is fine. Trump könnte US-Präsident werden? This is fine.

Memes sind unkontrollierbar – meistens

Wobei: So fein ist das natürlich nicht. Schon gar nicht, wenn sich das Lager der US-Republikaner auf dem Weg dorthin Greens Comic aneignet. Genau das taten sie nämlich vor zwei Wochen auf Twitter: Während die Demokraten ihren Parteitag in Philadelphia abhielten und einige Buhrufe aus dem Publikum ertönten, postete ein Mitarbeiter der Republikaner: "Well ¯\_(ツ)_/¯ #DemsInPhilly #EnoughClinton". Dazu das Bild: This is fine.

Nun könnte man dem eifrigen Mitarbeiter der Grand Old Party (GOP) gratulieren: Mit dem Shruggie-Emoticon und This is fine hat er gleich zwei Memes in einem Tweet an 777.000 Follower untergebracht. Doch zumindest einer fand es weniger witzig: KC Green. "Jeder kann This is fine auf Social Media nutzen, aber ich wünschte, die GOP würde den Tweet wieder löschen", schrieb er auf Twitter. Und auch wenn er wisse, dass die Verbreitung von Memes immer ein zweischneidiges Schwert sei, könne er trotzdem seine Abneigung kundtun, wenn sich unangenehme Menschen seine Arbeit aneignen.

Greens Reaktion ist interessant, da ungewöhnlich. Wie die New York Times schreibt, kommt es öfter vor, dass ein Musiker sich beschwert, wenn einer seiner Songs ohne Rücksprache für eine politische Kampagne gebraucht wird. Dass allerdings der Schöpfer eines Memes sich so offen von einer einzelnen Verwendung distanziert, ist selten.

Erstens sind die Urheber vieler Memes gar nicht bekannt, dementsprechend äußern sie sich auch nicht. Zweitens liegt es in der Natur des Phänomens, möglichst universell einsetzbar und in seiner Verbreitung unkontrollierbar zu sein. Wer dem widerspricht oder wie der Schöpfer des Trollface versucht, Profit daraus zu schöpfen, macht sich schnell lächerlich oder riskiert einen Streisand-Effekt, also noch mehr Verbreitung statt Einschränkung.