Wenn er seine Heimat Großbritannien erkunden möchte, setzt sich Aaron Puzey auf den Heimtrainer. Seit Mai fährt der Brite jeden Tag eine knappe halbe Stunde durch die Lande. Sein Ziel ist es, die knapp 1.500 Kilometer von Land's End in Cornwall bis nach John O'Groats im Norden Schottlands zu meistern – ohne dafür jemals seine Wohnung verlassen zu müssen.

Möglich machen das ein Smartphone, ein Gear VR Headset von Samsung, Google Street View und ein paar Programmierkenntnisse. Weil Puzey das Wohnzimmerpanorama bei seinen täglichen Leibesübungen nämlich ziemlich langweilte, suchte er nach Alternativen. "Ich dachte schon länger über die Nutzung virtueller Realität nach und inzwischen ist die Technik verfügbar", sagt Puzey.

In seinem Blog Cycle VR dokumentiert er seine virtuelle Reise, jede Einheit zeichnet er als Video auf und postet die Zusammenfassungen auf YouTube. Er erfreut sich an der Schönheit von Cornwall, bewundert teure Autos am Straßenrand oder die Architektur der Großstädte und flucht, wenn er wieder mal in ein "schwarzes Loch" fährt. Wenn also das Bild plötzlich schwarz wird, weil Street View fehlerhafte Daten liefert oder die Software abstürzt.

VR-Lifehack mit Street View

Das passiert öfter, denn Puzeys Setup ist größtenteils eine Eigenentwicklung mit etwas Open-Source-Code, gewissermaßen ein VR-Lifehack. An seinen Heimtrainer hat er einen Bluetooth-Sensor angebracht, der seine Trittfrequenz misst und die Daten an eine selbst programmierte Smartphone-App ausspielt. Diese wiederum zieht sich die Panoramabilder aus Google Street View, analog zu Puzeys Bewegung und virtuellem Standort. Oder einfacher gesagt: Wenn er in die Pedale tritt, kann er sich durch Street View bewegen, die gewünschte Route hat er vorher eingegeben und das VR-Headset vermittelt schließlich den Eindruck, als führe er mitten auf der Straße.

Also fast. Denn wie gesagt, funktioniert das Prinzip nicht immer perfekt, zudem sind die Street-View-Aufnahmen auch nur bedingt dazu geeignet, räumliche Tiefe zu vermitteln. Was in Städten noch recht gut funktioniert, wirkt in ländlichen Gegenden bisweilen arg verzerrt. Viel länger als eine halbe Stunde kann Puzey auch nicht fahren, weil ihm sonst der Kopf brummt. Außerdem muss er vor jeder Fahrt rund zehn Minuten warten, bis die Daten geladen sind.

In den fertigen Videos sieht man die Route und Puzeys aktuellen Standort, eine Aufnahme von ihm auf dem Heimtrainer und das aktuelle Street-View-Panorama. Und auch wenn die Qualität nicht die beste ist, fühlt sich Puzey eigenen Angaben zufolge doch "mitten drin". Seine Kommentare und Beschreibungen lassen zumindest erkennen, dass er Spaß daran hat. Etwa wenn er Passanten sieht, die lustig laufen, weil die Google-Kameras sie in einem unglücklichen Moment erwischt haben.

Fitness für VR ist gefragt

Für Aaron Puzey mag das Radeln in der virtuellen Realität bloß eine Spielerei sein, ein Versuch, seinen Trainingsalltag aufzupeppen. Doch auch professionelle Unternehmen haben das Potential von VR für den Sport längst erkannt.

Zum Beispiel VirZoom. Das Unternehmen verknüpft ebenfalls VR mit einem Heimtrainer, in diesem Fall aber mit einem gezielt dafür entwickelten. In dessen Lenkergriffen stecken Knöpfe wie in einem Gamepad, denn anstelle von Landschaftsaufnahmen aus Street View gibt es Games, die über einen PC und ein Oculus-Rift- oder Vive-Headset kommen. Über die Pedale und Kopfbewegungen bewegen sich die Nutzer durch die Anwendungen.