So beschreibt es jedenfalls ein Artikel des Onlineportals The Daily Beast aus dem Mai. Ein 4chan-Nutzer erklärte der Autorin, dass er und einige Verbündete in den vergangenen Monaten ganz bewusst Pepe-Bilder mit Nazi-Propaganda versahen. Um ihn von den Normies zurückzuerobern, wollten sie ihn gesellschaftlich inakzeptabel machen. Und so tauchte plötzlich immer öfter Pepe mit Hakenkreuzen oder rassistischen und antisemitischen Sprüchen in den sozialen Netzwerken auf.

Ab dann dauerte es nicht lange, bis der rechte Flügel der Trump-Kampagne das Meme für sich entdeckte. Im Mittelpunkt steht dabei die sogenannte Alt-right-Bewegung, die Alternative Rechte, die Donald Trump in seinem Wahlkampf unterstützt. Alt-right ist noch ein vergleichsweise junger Begriff für eine rechtskonservative, vorwiegend männliche, identitäre Bewegung. Zwar grenzen sich deren Unterstützer gerne von Rassisten und Nazis ab. Dennoch gibt es in der Bewegung offen homophobe, antifeministische und fremdenfeindliche Strömungen. Die Beweggründe von Alt-right sind insgesamt ähnlich amorph wie ihre Unterstützer.

Alt-right organisiert sich vor allem im Netz; die Unterstützer kommen in einschlägigen Foren und Websites zusammen, zum Beispiel auf der konservativen Nachrichtenseiten Breitbart. Das sei die "Plattform für die alternativen Rechten", sagte der frühere Breitbart-Aufsichtsratvorsitzende Stephen Bannon kürzlich stolz. Die Aussage sorgte für Aufsehen in den US-Medien. Seit August nämlich ist Bannon Wahlkampfleiter von Donald Trump, was eine enge Verbindung von Alt-right zur Trump-Kampagne vermuten lässt. Im März erschien auf Breitbart ein Artikel, der inzwischen als Manifest der Bewegung gilt – und der mit Pepe dem Frosch illustriert wurde.

Die Medien verstärken Pepes Wandlung

In dem Artikel wird ausdrücklich über die Anziehungskraft von Memes auf junge Menschen gesprochen, über die  "frischen, kühnen und witzigen" Inhalte, die ihnen die Alternative Rechte bietet. Memes sind ein Lockmittel für Alt-right, glaubt auch der Extremismus-Experte Mark Potok vom Southern Poverty Law Centre: "Indem man Figuren wie Pepe nutzt, hat man sich natürlich an sehr junge Menschen gewendet, die dieser Ideologie der weißen Vorherrschaft sehr positiv gegenüberstehen und davon auch beeinflusst sind", sagte Potok im Gespräch mit dem Deutschlandradio. Anders gesagt: Indem sich rechtskonservative Bewegungen ein Phänomen wie Pepe aneignen, sprechen sie gezielt die internetaffine junge Generation an, um sie für ihre Ansichten zu gewinnen.

Aber auch traditionelle Medien könnten dieser Wandlung unbewusst in die Karten spielen. Die Alternativen Rechten seien "Rassisten mit einer Marketingstrategie" heißt es in einem Artikel der Columbia Journalism Review. In dem Moment, in dem Medien auf Alt-right angesprungen sind und versuchten, das diffuse Internetphänomen zu erklären, sei es quasi dessen Legitimation gewesen. Aus einer Subkultur sei eine politische Bewegung entstanden. Aus Pepe dem Frosch ein Symbol von Nationalisten, wie es nun sowohl das Lager von Hillary Clinton als auch die Bürgerrechtler der Anti-Defamation League behaupten.

Und das, obwohl die Wandlung – wie so vieles aus dem 4chan-Dunstkreis – möglicherweise gar nicht so gemeint war, wie es nun dargestellt wird. Möglicherweise war es bloß "for the lulz", also zur persönlichen Erheiterung und als bewusste Provokation gedacht.

Trotzdem gibt es noch Hoffnung für Pepe. Auch wenn er zurzeit von den Alternativen Rechten in Geiselhaft gehalten wird, könnte es nur eine Phase sein. Verstärkt durch die Aufmerksamkeit in den Medien inmitten des US-Wahlkampfs wird vergessen, dass Pepe an vielen anderen Orten im Internet weiterhin ein ebenso unschuldiges wie witziges Dasein führt. Die Kooption durch Rechte, Trump-Unterstützer und 4chan-Trolle muss das zehnjährige Meme nicht zerstören. Wie es auf The Daily Dot heißt: "Pepe wird immer größer und besser sein als die Rassisten, die ihn gerade so lieben."