Die deutschen Zeitungsverleger unterstützen die Pläne von EU-Kommissar Günther Oettinger für ein europäisches Leistungsrecht. Dessen Entwurf sieht vor, dass Verlage ein Recht an Texten bekommen. Dies wiederum könnte zu Geldforderungen an Internetkonzerne wie Google, Apple oder Facebook führen, wenn diese auf Inhalte der Verlage verlinken und dabei kleine Textausschnitte zeigen – etwa bei einem Dienst wie Google News.

Mehrere EU-Parlamentarier hatten als Reaktion darauf die Kampagne Save The Link ins Leben gerufen, die sich gegen Oettingers Pläne richtet. Die Parlamentarier sehen durch das Leistungsschutzrecht die Freiheit bedroht, Inhalte im Netz zu verlinken. Das könnte auch den Verlagen schaden, hieß es laut Begründung. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) teilt diese Befürchtung allerdings nicht: "Uns ist schleierhaft, aus welchem Grund diese Behauptungen aufgestellt werden", sagte ein Sprecher des Verbandes.

Verleger stellen sich gegen Chefredakteure

Die Zeitungsverleger stellen sich damit auch gegen mehrere deutsche Chefredakteure, die vor etwa drei Wochen Zahlen veröffentlicht hatten, um zu zeigen, wie stark Onlinemedien von Google und Facebook profitieren. Unter dem Hashtag #trafficleaks wurden Zugriffsstatistiken unter anderem von ZEIT ONLINE und dem Online-Auftritt der FAZ veröffentlicht.

Die Zahlen zeigen, dass Google die Leser eben nicht von den Websites der Verlage weglockt, sondern sie im Gegenteil ihnen zuliefert. ZEIT ONLINE erhält zum Beispiel 20Prozent seines Traffics über Google und 10 Prozent über Facebook. Beim Internetauftritt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sind es 17 Prozent, die über Suchmaschinen kommen und knapp 9 Prozent über Links in sozialen Netzwerken.

Zuvor hatte Günther Oettinger bezweifelt, dass Onlinemedien einen erheblichen Teil ihres Publikums im Internet über Google und andere Plattformen bekommen. "Es gibt Zahlen von Zeitungen, die kennen Verleger – Chefredakteure aber nur eingeschränkt", sagte der EU-Kommissar. "Ich habe von den europäischen Zeitungs- und Zeitschriftenverlegerverbänden ganz klare Unterstützung." Ein europäisches Verlegerrecht werde in keiner Weise die private Nutzung von Presseinhalten oder die Verlinkung von Artikeln in den sozialen Medien an Freunde und Familie beeinträchtigen, sagte der BDZV-Sprecher. "Die Presse erhält lediglich Rechte, die für die Film- und Musikbranche schon lange gelten."

An der Kampagne Save The Link beteiligen sich unter anderen die Europa-Abgeordneten Julia Reda (Piratenpartei), Martina Michels (Die Linke), Dietmar Köster (SPD), Helga Trüpel (Grüne) und Alexander Lambsdorff (FDP). Die Pläne von EU-Kommissar Oettinger müssen noch vom EU-Parlament und den Mitgliedstaaten abgesegnet werden.