Microsoft hat den PC für ein Promille des obersten einen Prozents der Weltbevölkerung vorgestellt: Das Surface Studio ist ein Computer für Grafikdesigner, Architekten und alle anderen kreativen Profis, die 3.000 bis 4.200 Dollar übrig haben, und es ist eine Demonstration der neuen Coolness des Unternehmens.

Was die Anzahl der Superlative und der an sich selbst gerichteten Lobhudeleien angeht, ist Microsoft am Mittwoch auf Apple-Niveau angekommen. Mehr als zwei Stunden dauerte deshalb die Show, in der letztlich nur drei Produkte besprochen wurden: das Surface Studio, ein neues Surface Book sowie ein großes Update für Windows 10.

Das Surface Studio ist natürlich bemerkenswert. Die Ähnlichkeit mit Apples iMac ist nicht von der Hand zu weisen, aber mindestens bis morgen, wenn Apple neue Produkte vorstellt, setzt Microsoft in dieser Sparte neue Maßstäbe. Sein edler High-End-PC hat einen 12,5 Millimeter dünnen berührungsempfindlichen 28-Zoll-Monitor mit 13,5 Millionen Pixeln, was nach Angaben des Unternehmens 63 Prozent mehr sind, als ein 4K-Fernseher hat.

Er hat in der teuersten Variante einen Core-i7-Prozessor, eine Nvidia-Grafikkarte vom Typ GeForce GTX 980M, 32 Gigabyte RAM und zwei Terabyte Speicher (SSHD). Er kann umgeklappt werden, sodass er wie ein Zeichenbrett auf dem Tisch liegt. Und als besonderes Zubehör gibt es das Surface Dial, einen hockeypuckähnlichen Zylinder, der auf das Display gelegt werden kann und dort durch einfaches Drehen kontextabhängige Aktionen ermöglicht, wie etwa die Farbwahl während des Zeichnens mit einem Stift.

Microsofts Gerätechef Panos Panay nannte das neue Surface Book "den ultimativen Laptop". © Don Emmert/AFP/Getty Images

Microsoft wird zunächst nur eine limitierte Anzahl seines leistungsstärksten Computers verkaufen, aber die Zielgruppe ist ja auch limitiert. Ob er je nach Deutschland kommt, ist unklar. Das Surface Studio ist kein Produkt für die Massen, sondern in erster Linie Ausdruck dessen, was Microsoft kann, wenn es will. Es ist das, was der Konzern wohl schon 2008 im Sinn hatte, als er erstmals einen Rechner mit dem Namen Surface vorstellte. Das war eine Mischung aus Tisch und Touchscreen, und kostete 10.000 Dollar. Dass zwischen dem Surface Studio und dem Möbel-Computer-Hybriden nur acht Jahre liegen, ist schwer vorstellbar, so futuristisch wirkt im Vergleich das neue Gerät.

Zuvor hatte Microsoft die zweite Generation des viel gelobten Surface Book angekündigt. Es soll jetzt "der ultimative Laptop" sein, versprach Panos Panay, der Chef der Gerätesparte. Die Akkulaufzeit wurde um 30 Prozent auf nun 16 Stunden erhöht, die Leistung des Grafikprozessors verdoppelt. Zwischen 2.400 und 3.400 Dollar kostet der Superlaptop, vorbestellbar zumindest in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland ab sofort, also noch bevor Apple neue MacBooks präsentiert. In Deutschland sollen sie Anfang 2017 auf den Markt kommen. Zu welchem Preis, ist noch unklar.

Microsoft-Managerin Megan Saunders erstellt ein 3-D-Modell einer Sandburg. © Don Emmert/AFP/Getty Images

Außerdem kündigte Microsoft für das kommende Frühjahr ein großes, kostenloses Update für sein Betriebssystem Windows 10 an. Zentrales Thema des sogenannten Creators Update ist 3-D. Dreidimensionale Objekte sollen quer durch die beliebtesten Microsoft-Programme erstellt und geteilt werden, von PowerPoint über das runderneuerte Paint bis zum Browser Edge, vom Smartphone bis zur Augmented-Reality-Brille Hololens.

Nutzer sollen zum Beispiel um reale Objekte herumgehen und sie dabei mit dem Smartphone filmen können, eine neue Microsoft-App errechnet daraus anschließend ein 3-D-Modell. Dieses kann in anderen Apps mit weiteren Motiven kombiniert werden, Hololens-Träger werden es sogar beliebig in ihrer halb virtuellen Umgebung platzieren können.

Mehrere VR-Brillen für Windows

Microsoft öffnet zudem sein Mixed-Reality-Betriebssystem Windows Holographic für Dritthersteller. HP, Dell, Lenovo, Asus und Acer werden entsprechende VR-Brillen für nur 300 Dollar herstellen, kündigte Windows-Chef Terry Myerson an.

In der Xbox wird das Update eine simple Option zum Games-Broadcasting einführen. Zuschauer können mit den Spielern chatten, außerdem lassen sich sogenannte Custom Tournaments erstellen – also Wettkämpfe zwischen mehreren Spielern.

Zum Abschluss der Veranstaltung zitierte Microsoft-CEO Satya Nadella noch Rainer Maria Rilke: "Die Zukunft zeigt sich uns, lange bevor sie eintritt." Die wichtigste Frage nach der Show lautet nun: Mit welchem Dichter wird Apple-CEO Tim Cook morgen kontern?