Twitter macht seine Video-App Vine nach rund vier Jahren dicht. Sie werde "in den kommenden Monaten" eingestellt, kündigte das Unternehmen ohne Angabe von Gründen an. Mit der App kann man kurze Videoclips in Endlosschleifen verbinden und online stellen. Twitter hatte sie wenige Monate nach dem Start im Jahr 2012 gekauft. Der damalige Chef Dick Costolo nannte Vine "Das nächste große Ding".

Inzwischen konzentriert sich Twitter bei Videos auf die Livestreaming-App Periscope. Die Vine-Inhalte sollen erst einmal online bleiben. Vine galt als Antwort auf die Plattform Instagram, die sich in den Händen von Facebook befindet. Mit Vine lassen sich kurze Videos teilen, die in ihrer Optik an Gifs erinnern.

Twitter kämpft insgesamt mit langsamem Wachstum und hohen Kosten. Seit Längerem sucht der Kurznachrichtendienst erfolglos einen Käufer. Auch die Konkurrenz anderer Onlinenetzwerke und Messaging-Apps wie die Facebook-Tochter Instagram oder Snapchat setzen Twitter zu.

Vor der Entscheidung, Vine zu schließen, hatte der Internetkonzern einen erneuten Stellenabbau angekündigt. Demnach sollen neun Prozent der weltweiten Belegschaft entlassen werden. Finanzchef Anthony Noto sagte, Ziel sei, sich im kommenden Jahr mit Einsparungen der Gewinnschwelle zu nähern. Zuletzt hatte Twitter knapp 4.000 Mitarbeiter. Twitter hatte bereits vor einem Jahr bei der Rückkehr des Mitgründers Jack Dorsey an die Vorstandsspitze etwa acht Prozent seiner Jobs gestrichen.

Die Zukunft des Unternehmens ist ungewiss, seit der Softwarekonzern Salesforce.com erklärt hat, kein Angebot für eine Übernahme abzugeben. Ursprünglich sollen auch Google, Microsoft, Apple und Disney an Twitter interessiert gewesen sein. In den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen massiv in Produktentwicklung und Marketing investiert – offenbar hat es sich nicht wie erhofft ausgezahlt.