Die US-Wahl wurde eine Autostunde entfernt von der mazedonischen Hauptstadt Skopje mitentschieden. In der Kleinstadt Vales sind mehr als hundert Websites registriert, die aggressiv Propaganda für Donald Trump verbreiteten: "Clinton schwer krank!", "Clinton hat illegale Waffen für 137 Millionen Dollar gekauft!" Die Meldungen erschienen auf amerikanischen Pseudonachrichtenportalen mit Namen wie USA Newsflash oder 365 USA News. Doch sie sind erfunden, nichts weiter als Gerüchte, die als Journalismus verkauft werden.

Keine Redakteure schreiben diese Texte, niemand recherchiert. Es sind Einzelne, die Meldungen erfinden und per Copy-Paste von anderen Seiten billigen Content produzieren. Ihr Ziel: mit Werbung Geld zu verdienen. "Was wahr oder falsch ist, weiß ich nicht. Ich mach das nur für die Google Ads", sagte Teador Indov, ein 22-jähriger Informatikstudent der Nachrichtenagentur Meta in Mazedonien. Ein anderer Betreiber einer Fake-News-Website weiß: "Wenn dein Ziel Seitenaufrufe sind, ist Facebook die beste Lösung."


44 Prozent aller Amerikaner lesen laut einer PEW-Studie über die Plattform Nachrichten, die ihnen die persönliche Timeline anzeigt. Und auch wenn die Unterstützer von Hillary Clinton und der US-Demokraten so manche Lügen verbreiteten: Rechte Falschinformationen kamen häufiger vor und verbreiteten sich schneller, berichtete die Washington Post. "Die große Mehrheit der Medien ist liberal", sagt der New Yorker Journalistik-Professor Jeff Jarvis im Gespräch mit der Fernsehsendung ZAPP. "Und so haben wir ein Vakuum produziert, das gefüllt wurde von Bewegungen, die sich als Medien ausgeben."

Facebook kennt das Problem – und wiegelt ab

Auch Donald Trump selbst gab sich am Sonntag in einem Interview mit dem Sender CBS überzeugt, dass ihm seine Follower bei Facebook, Twitter, Instagram bei seinem Triumph halfen. Bei einer "schlechten oder falschen" Berichterstattung über ihn gäben ihm soziale Netzwerke ein Werkzeug in die Hand, um zurückzuschlagen. Was Trump natürlich nicht sagte: Ein Zurückschlagen bedeutet in diesem Fall eben auch das Teilen von Falschmeldungen.

Hochrangige Facebook-Mitarbeiter diskutierten am Wahlabend in einem internen Chat über die Verantwortung des Unternehmens, gegen Lügen vorzugehen, berichtete die New York Times unter Berufung auf anonyme Quellen. Viele sorgten sich um die rasante Verbreitung von rassistischen Memes. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hingegen nannte es eine "verrückte Idee", dass Fake News Einfluss auf die Wahlen genommen hatten. "Mehr als 99 Prozent der Inhalte sind authentisch", schrieb er in einem Beitrag auf Facebook.

Dass das Unternehmen allerdings schon länger damit kämpft, dass Lügen verbreitet werden, zeigt eine Umfrage an seine Kunden, die bereits seit 2015, also weit vor der US-Wahl, eingesetzt wurde. Es fragt darin, warum man nicht damit übereinstimme, dass Facebook "gut für die Welt" sei. Eine Antwortmöglichkeit: zu viele falsche Informationen und Benutzerprofile.