Medien sollten die im Internet geführten Debatten beobachten, die Fakten prüfen, wenn eine Diskussion aus dem Ruder läuft, und diese Informationen wieder mit den Plattformen teilen. Die Plattformen sollten diese Informationen im Gegenzug an ihre Nutzer weitergeben, damit sie sich ein besseres Urteil bilden können. Die Plattformen sollten außerdem daran arbeiten, die Quellen von Fotos und anderen Memes und Geschichten ausfindig zu machen, damit die Nutzer sehen können, was aus seriösen Nachrichtenquellen stammt und was der stinkenden Imagination einer randständigen politischen Sekte entspringt. Nicht zuletzt müssen die Plattformen viel besser darin werden, insbesondere die Marken seriöser Nachrichtenquellen darzustellen, damit Nutzer die Glaubwürdigkeit besser einschätzen können.

Die Nutzer müssen gute Informationen teilen

Auch die Nutzer selbst spielen eine Rolle dabei, mehr gute Informationen zu verbreiten. Auf Facebook lassen sich Berichte als falsch melden, aber die Plattform versteckt diese Funktion in einem Labyrinth von Menüs. Sie sollte leicht erreichbar sein, damit mehr Nutzer dabei helfen können, falsche Inhalte zu markieren. Natürlich wird jedes System dieser Art überlistet, aber die Plattformen sind smart; wenn sie Spam von E-Mails unterscheiden können, sollten sie auch Signale ihrer Nutzer verwenden können, um fragwürdige Inhalte besser zu markieren. Ich würde mir auch wünschen, dass die Plattformen – insbesondere Twitter – es den Nutzern ermöglichten, Korrekturen an eigenen Postings vorzunehmen und sie an diejenigen zu senden, die einen gefälschten Inhalt retweetet haben könnten. Soll heißen: Warum können wir Korrekturen nicht abonnieren?

Wir dürfen aber nicht das Silicon Valley in die Position versetzen, das Internet redigieren und entscheiden zu können, was erfunden und was real ist, was falsch und was wahr. Das ist nicht deren Aufgabe. Auch wenn deren Plattformen Medienmenschen wie Medien vorkommen, weil sie Seiten haben mit Text und Bildern und dem, was den Medien manchmal als die ihnen verloren gegangenen Anzeigen betrachten: Diese Dienste sind etwas Neues. Sie sind Connection Machines, Maschinen, die Verbindungen herstellen. Facebook verbindet Menschen mit Menschen, Google verbindet Menschen mit Informationen. Wir sollten von diesen Plattformen nicht dasselbe erwarten, was wir von Medien erwarten. Ich möchte auch nicht, dass Plattformen oder Medien oder Organisationen mit guter Absicht schwarze Listen gesperrter Seiten erstellen, denn das wäre ein erster Schritt zur Zensur.

Das sagend gebe ich eine paradoxe Empfehlung: Ich empfehle Facebook seit Langem, einen Redakteur einzustellen – nicht um Inhalte zu bearbeiten, nicht um Artikel zu schreiben, nicht um mit anderen Redakteuren in den Nachrichtenorganisationen zu wetteifern. Stattdessen sollte dieser leitende Redakteur bei Facebook der Plattform einen Sinn für öffentliche Verantwortung vermitteln. Er sollte den Technikern Journalismus erklären und den Journalisten Technik, das Produkt verbessern und damit die Qualität der Gespräche und das Nutzererlebnis. Der Redakteur könnte eine Zusammenarbeit mit anderen Redakteuren von außerhalb ermöglichen. Und er könnte helfen, schlimme Fehler wie die Löschung eines historischen Fotos aus dem Vietnam-Krieg zu vermeiden. (Facebooks Algorithmus klassifizierte das Foto eines nackten Mädchens fälschlicherweise als Pornographie, während die wahre Pornographie in dem Napalm bestand, das sie verletzt hatte.)

Dieser Redakteur wäre kein Dealmacher oder Pressesprecher. Ich meine vielmehr, dass journalistische Sensibilität ins Herz der Produktentwicklung jeder Plattform gehört. Die US-Wahl und die Rolle der Plattformen bei dieser Wahl zeigen, dass diese sich anstrengen müssen, ihre Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit wirklich ernst zu nehmen.

Medien müssen die breite Gesellschaft wieder erreichen

Ich habe noch eine weitere Empfehlung, die mehr mit den Medien zu tun hat als mit dem Silicon Valley. Die wichtigste journalistische Lehre aus dieser US-Wahl ist, dass wir in den liberalen Medien – zumindest in den USA sind, zugegeben, alle Medien liberal – die konservative Hälfte der Nation ausgeschlossen haben. Vor langer Zeit, seit den siebziger Jahren, haben die Menschen im amerikanischen Kernland damit begonnen, den Medien nicht mehr zu vertrauen. Das bedeutet, dass wir sie seither nicht mehr informieren konnten.

Wir haben ein Vakuum hinterlassen, das im Handumdrehen von Bewegungen gefüllt wurde, die sich als Medien ausgaben. Fox News, Drudge und Breitbart (dessen Chef Stephen Bannon nun am rechten Ohr des gewählten Präsidenten sitzt und dessen widerliche Marke bald auch nach Deutschland und Frankreich kommt). Die Mainstream-Medien jeder Nation, die von solchen Randgruppen bedroht werden, müssen viel besser darin werden, den unterversorgten Teilen der Gesellschaft zuzuhören, die unter den Bann von Hass verbreitenden politischen Sekten geraten könnten, Empathie für diese Teile der Gesellschaft zu entwickeln und sie zu informieren. Nur dann können wir intellektuell aufrichtige, faktenbasierte Gespräche mit ihnen führen, zum Beispiel darüber, dass ihre Arbeitsplätze oft nicht wegen Einwanderung, sondern wegen neuer Technik verschwinden.

Lassen sie mich einen Scherz von einem Mann namens Nathaniel Tapley weitertragen, den ich gerade auf Twitter gelesen habe: "Ah, ich hab's. Im Dritten Weltkrieg beschützt Deutschland den Rest der Welt vor dem Faschismus. Das ist mal ein wirklich guter dritter Akt." Anders als Fake News sind Witze öfter wahr als falsch. Jetzt, wo Angela Merkel sich den Mantel der Verantwortung übergeworfen hat und noch einmal für ihr Amt als letzte zurechnungsfähige Anführerin Europas und der westlichen Welt antritt, sollten deutsche Medien und andere Institutionen die Führung übernehmen, wenn es darum geht, mit dem (und nicht gegen das) Silicon Valley zu arbeiten. Um neue Möglichkeiten zu schaffen, um Wahrheit in die Debatten zu bringen, auf denen Demokratie gründet. Wir schauen auf Sie, besonders jetzt, wo wir in den US-Medien für die nächsten vier Jahre sehr damit beschäftigt sein werden, Fake News nicht wahr werden zu lassen.

Übersetzt aus dem Englischen von Christoph Herwartz