Die Blicke der Trump-Gegner haben sich nach der Wahl schnell nach Westen gerichtet. Genauer gesagt ins Silicon Valley, wo sie Verbündete vermuten in ihrem Kampf gegen die ersten und möglicherweise noch folgenden Anordnungen der neuen Regierung. Sie verlangen unmissverständliche Stellungnahmen und am besten auch gleich handfeste Reaktionen von den oftmals von Immigranten gegründeten Technikunternehmen aus Kalifornien. Entsprechend groß ist bei manchen die Enttäuschung, weil das Silicon Valley derzeit eher wirkt wie das Tal des Schweigens.

Facebookgründer Mark Zuckerberg hat es bislang bei einem Facebookeintrag belassen, in dem er schrieb, er sei besorgt über die jüngsten Exekutiv-Anordnungen von Trump. Er sei aber froh, dass der US-Präsident angekündigt habe, "sich etwas einfallen zu lassen", um zumindest Kinder von Immigranten weiterhin zu schützen und ihnen die Möglichkeit zu geben, in den USA zu leben und zu arbeiten. Zuckerberg will in den nächsten Wochen im Rahmen des Projekts FWD.us überlegen, wie er helfen kann. Das Programm versammelt Menschen aus der Tech-Community, die den Kongress zu einer Einwanderungsreform bewegen wollen.

Eine Kampfansage sieht anders aus. Deshalb bewertet das Technikportal The Verge die Reaktion von Facebook als "schwach". Vergleichsweise "mittelscharf" seien dagegen die Stellungnahmen von Apple, Google, Microsoft, Mozilla, Twitter und Tesla. Wobei Tesla-CEO Elon Musk, eingewandert aus Südafrika, zunächst nur geschrieben hatte, das Einwanderungsverbot für Menschen aus einigen vorwiegend muslimischen Ländern sei "nicht der beste Weg, die Herausforderungen der USA anzugehen". Was sprachliche Schärfe angeht, ist das ausbaufähig. Aber Musk ist ja auch Mitglied in einem Wirtschaftsbeirat von Trump.

Hier und da ein paar Millionen Dollar für Bürgerrechtsorganisationen

Google hat mittlerweile nachgelegt und einen Krisenfonds aufgesetzt. Zwei Millionen Dollar gibt die wichtigste, vom gebürtigen Inder Sundar Pichai geführte Alphabet-Tochter hinein, zwei weitere Millionen sollen von den Angestellten kommen. Das Geld ist bestimmt für verschiedene Bürgerrechtsorganisationen.

Spenden wollen auch die Fahrdienste Uber und Lyft. Eine Million Dollar in den kommenden vier Jahren bekommt die American Civil Liberties Union (ACLU) von Lyft. Uber hatte sich erst extrem unbeliebt gemacht, als es den Streik der Taxifahrer gegen das Einwanderungsverbot am JFK-Flughafen in New York aushebelte. #DeleteUber – der Aufruf, die Uber-App vom Smartphone zu löschen – wurde daraufhin zum Twitter-Trend. CEO Travis Kalanick kündigte daraufhin an, nicht nur seine von Trumps Dekret betroffenen Fahrer zu entschädigen und zu unterstützen. Er will nun auch einen drei Millionen Dollar schweren Fonds gründen, um Betroffenen bei ihren Rechtsstreitigkeiten zu helfen. Solche Aktionen gelten für The Verge als "stark".

Aber hier und da ein paar Millionen an Organisationen zu verteilen, die dann vor Gerichten die eigentliche Gegenwehr gegen ungesetzliche oder gar verfassungsfeindliche Dekrete leisten sollen, wird auf Dauer nicht genügen. Wie schnell und effektiv die Unternehmen im Silicon Valley auf eine Politik reagieren können, die ihren Werten widerspricht, ihre Geschäfte im Ausland gefährdet und ihre Rekrutierung von Talenten aus dem Ausland erschwert, könnte beispielhaft sein für die gesamte, bisher überwiegend schweigende US-Wirtschaft. Wenn die kalifornischen Disruptionskönige diese Regierung nicht "disrupten" können, wer dann? 

Der Einreisestopp ist schließlich nur das erste Beispiel für eine politische Entscheidung der Trump-Regierung, die sich gleichermaßen auf das gesellschaftliche Klima und die Technikunternehmen auswirkt. Weitere könnten schon bald folgen. Laut CNN erwägt die Regierung zum Beispiel, von allen in die USA Einreisenden – egal woher – Angaben über den privaten Browserverlauf, genutzte Social-Media-Kanäle und Kontakte im Telefonbuch zu verlangen.

Bisher ist das nicht bestätigt und es ist auch völlig unklar, wie solch eine Anweisung praktisch umgesetzt werden sollte. Aber es gibt vereinzelte Berichte, nach denen etwas Ähnliches in den vergangenen Tagen einigen Greencard-Besitzern bei der Rückreise in die USA passiert ist.