Nach dem Trend kommt der Megatrend. Und geht es nach Mark Zuckerberg, sind Videos ein solcher Megatrend. Das sagte der Facebookgründer während der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen, denen zufolge das Unternehmen seinen Gewinn auf 3,6 Milliarden US-Dollar steigern konnte. Zuckerbergs Aussage kommt einerseits nicht überraschend, schließlich investiert Facebook seit einiger Zeit stark in Video, vor allem in Livestreaming. Andererseits deutet einiges daraufhin, dass Facebook künftig noch andere Videoinhalte im Visier hat: Facebook will der nächste Fernsehsender im Netz sein.

Die Menschen sollen an Facebook denken wenn sie das Bedürfnis haben "jetzt Videoinhalte zu gucken", sagte Zuckerberg.  Dafür soll nicht nur der Videobereich in der mobilen App ausgebaut werden. Wie unter anderem das Wall Street Journal am Dienstag berichtete, plant das Unternehmen auch eine eigenständige Video-App für Set-Top-Boxen wie Apple TV oder Amazons Fire TV.

Gibt es neben Netflix, HBO und Amazon Prime Video also künftig eine App namens Facebook TV, die Nutzer als Alternative zum traditionellen Fernsehen öffnen können? Und falls ja, welche Inhalte gäbe es dort zu sehen? Facebook hält sich mit Details noch zurück, doch zwischen den Zeilen lassen sich einigen Trends ausmachen. So investiere das Netzwerk bereits in "exklusive und lizensierte Inhalte sowie Sport", sagte Facebookmanager Ricky van Veen im Dezember. Sowohl gescriptete Inhalte, also etwa Serien, als auch spontan erstellte Videos im Stil von YouTube könnten künftig wohl in der Video-App und in den Timelines der Nutzer zu sehen sein.

Facebook könnte kürzere, virale Inhalte bevorzugen

Für Facebook wäre es der nächste logische Schritt. Erstens bezahlte das Netzwerk bereits Medienunternehmen und Prominente dafür, exklusive Livevideos zu erstellen. Zweitens ging Facebook Kooperationen mit YouTube-Stars ein, damit diese mehr oder zuerst Inhalte auf Facebook veröffentlichen. Drittens will Facebook künftig längere Videos in den Timelines der Nutzer hervorheben. Nun könnte Facebook direkt an Produktionsfirmen, an Filmverleihe oder YouTube-Netzwerke herantreten, um deren Inhalte zu lizenzieren oder gar eigene Serien, Filme und Dokumentationen zu drehen.

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass auf Facebook in naher Zukunft eine eigene TV-Serien im Stile der Netflix-Produktionen House of Cards oder Orange is the New Black laufen werden. Jedenfalls nicht solange das Streaming auf der Plattform ausschließlich mit Werbung und nicht mit Abogebühren finanziert wird. Facebook will vielmehr eine zusätzliche Anlaufstelle für "wöchentliche, episodische Inhalte" sein, wie es Zuckerberg nannte. Denkbar ist, dass sich das Netzwerk gezielt darum bemüht, kürzere Serien oder Shows zu zeigen, die ein gewisses virales Potenzial haben, von den Zuschauern direkt auf Facebook geteilt werden und somit noch mehr Menschen erreichen. 

Apple kauft "Carpool Karaoke"

Einen solchen viralen Erfolg hat sich Apple gesichert. Vergangenes Jahr erwarb das Unternehmen die Rechte an Carpool Karaoke. Jede Folge des Comedyformats des Talkshowmoderators James Corden, in dem er mit Prominenten Auto fährt, wird millionenfach auf YouTube angeklickt. In diesem Jahr sollen 16 neue Episoden – wenn auch ohne Corden selbst – exklusiv für die Kunden von Apple Music zu sehen sein.

Wie Facebook will auch Apple stärker in TV-Inhalte investieren. Während der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen lobte CEO Tim Cook die Serviceangebote seines Unternehmens. Neben den Hardwareverkäufen seien es vor allem der App Store, iTunes und Apple Music, die Umsatz generierten. Für Apple Music konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr bereits Künstler wie Drake und Taylor Swift für sich gewinnen und damit seine Abonnentenzahlen auf mehr als 20 Millionen Nutzer steigern. Nun möchte man diese Strategie offenbar auf Fernsehinhalte ausweiten: Schon Ende des Jahres könnten Insidern zufolge auf Apple Music eigene TV-Serien zu sehen sein. Auch wenn der Dienst dann wohl einen neuen Namen bräuchte.