Pinterest, Dropbox, Coca-Cola, Spotify, selbst die Seite von Hillary Clintons Kampagne – sie alle mieten sich auf den Servern einer Handvoll Cloud-Anbieter ein. Amazon Web Service (AWS), Microsofts Azure, IBMs Bluemix und Google Cloud Platform sind nichts Geringeres als Rechenzentren für Millionen von Unternehmen und Organisationen aus der ganzen Welt. Das birgt allerdings Risiken, zuletzt hat das der Ausfall der Amazon-Cloud am Dienstag deutlich gemacht.

Die Idee hinter Cloud Computing ist, dass Unternehmen Kapazität in Rechenzentren mieten, anstatt eigene Server zu betreiben. Das bietet viele Vorteile. Die Firmen können auf eine bereits vorhandene Infrastruktur zugreifen, die ständig aktualisiert wird. Außerdem sparen sie Kosten für die Hardware eines eigenen Serverraums und dessen Instandhaltung. Stattdessen wird nur das Volumen abgerechnet, das wirklich benötigt wird.

Ein Beispiel: Die Finra, die amerikanische Aufsichtsbehörde für Wertpapiere, nutzt die Dienste des von Amazons Cloud-Sparte. Diese speichert und verwaltet jeden Tag 75 Milliarden neue Daten, die auf die Server strömen. Die Behörde schätzt, dass sie dank Amazon jedes Jahr etwa 20 Millionen Dollar spart, weil sie selbst kein Datencenter unterhalten muss.

Inzwischen die zentrale Infrastruktur des Internets

So sind Cloud-Computing-Anbieter, von der größeren Öffentlichkeit unbemerkt, zur zentralen Infrastruktur des Internets herangewachsen. Offizielle Zahlen zu seiner Cloud-Sparte AWS gibt Amazons Chef Jeff Bezos nicht preis. Aber einer Erhebung des Unternehmens Synergy Research nach ist Amazon Web Services mit 40 Prozent Marktführer im Cloud Computing. Googles und Microsofts Cloud-Computing-Sparten liegen abgeschlagen dahinter. Amazon können sie nicht einholen. Dennoch wachsen sie rapide, jedes Jahr legen sie um etwa 100 Prozent an Umsatz zu. So entsteht eine immer stärkere Konzentration auf die großen Cloud-Anbieter. Rund um die Welt stehen ihre Server, über die große Teile des Internetverkehrs abgewickelt werden.

Was passiert, wenn auch nur eine Region eines einzelnen Anbieters ausfällt, hat AWS beeindruckend gezeigt. Während des Absturzes der Amazon-Server haben alleine die im Aktienindex S&P 500 gelisteten Unternehmen schätzungsweise 150 Millionen Dollar verloren.

Der Vorfall bestätigt diejenigen, die vor den Risiken von Cloud-Computing warnen. Nachdem Amazon die Ursache in einem schludrigen Mitarbeiter gefunden hat, schreiben die Medien, dass "ein einziger Mensch mit Wurstfingern" das Internet lahmgelegt hätte. Und tatsächlich ist es schwer zu glauben, dass ein Unternehmen einer solchen Größe und Bedeutung einem einfachen Tippfehler zum Opfer fallen kann. Auf Twitter machen das Kunstwort "Amagone" und das Meme "Je suis US East" die Runde.

Fehler auch bei den Kunden

Dabei verkennen viele, dass dieser Ausfall nicht nur eine Schwachstelle bei Amazon, sondern auch eine bei den Kunden selbst aufgedeckt hat. Betroffen war die beliebteste AWS-Region Northern Virginia, in der die meisten Server stehen. Deswegen traf es so viele Unternehmen. Doch Amazon, Google, IBM, empfehlen das Prinzip der Redundanz: Die Kunden sollen ihre Daten nicht nur an einem Ort speichern lassen, sondern zusätzlich Server in anderen Regionen buchen, auf denen sie Kopien ihrer Daten ablegen sollen. Die Video-Streamingplattform Netflix zum Beispiel hat genau das getan – sie konnte größere Schäden vermeiden und erholte sich schneller als die anderen Unternehmen. "Nur die wenigsten Kunden machen das so", sagt Lydia Leong, Analystin beim Marktforschungsinstitut Gartner. Denn: Das kostet zusätzlich Geld.

"Die Unternehmen müssen die Kosten eines Ausfalles mit denen einer breiter aufgestellten Infrastruktur für ihre Daten abwägen", sagt US-Mangement-Experte Suresh Kotha. Grundsätzlich sind Ausfälle wie dieser selten, die Verfügbarkeitsrate von AWS liegt bei 99,99 Prozent. Darauf hätten sich die Kunden der Amazon-Sparte zu sehr verlassen, sagt Kotha. Denn Ausfälle wie dieser sind nicht zu vermeiden.