Facebook hat ein neues Werkzeug im Kampf gegen sogenannte Fake-News eingeführt: Ein rotes Warndreieck markiert ab sofort Facebookinhalte, die zur Überprüfung gemeldet worden sind. Damit werden Nutzer unter Beiträgen darauf aufmerksam gemacht, dass ein Inhalt "angefochten" wurde und es sich dabei möglicherweise um eine Falschmeldung handeln könnte. Für die Überprüfung arbeitet das Unternehmen mit unabhängigen, externen Nachrichtenseiten zusammen, die Inhalte anfechten können.

Das Warndreieck wurde zum ersten Mal unter einer Geschichte des US-Blogs Newport Buzz von Nutzern gesehen, wie der Guardian berichtet. Der Artikel, wonach Hunderttausende Iren angeblich als Sklaven in die USA gebracht worden sind, wurde vor dem St. Patrick's Day am 17. März publiziert. Der Artikel The Irish Slave trade – the slaves that time forgot wurde mittlerweile gelöscht.

Facebooknutzer, die versucht hatten, den Artikel in ihrer Timeline zu teilen bekamen den Warnhinweis angezeigt. Klickten die Benutzer auf das Pop-up, öffnete sich ein weiteres Fenster mit zusätzlichen Informationen über den angefochtenen Inhalt.

"Manchmal teilen Menschen Fake-News, ohne zu wissen, dass es solche sind", heißt es in dem Pop-up. Sollten unabhängige Faktenprüfer die Meldung anfechten, könne man erfahren, warum sie den Wahrheitsgehalt hinterfragen. Nur Seiten, die sich Poynters überparteilichem Prinzipienkodex verpflichten, seien für die Faktenprüfung zugelassen. Der Kodex verschreibt sich "unparteiischer und transparenter Faktenprüfung für Journalismus".

Sollte der entsprechende Nutzer trotz der Warnung den Inhalt teilen wollen, öffnet sich ein weiteres Fenster, das nochmals darauf hinweist, dass der Wahrheitsgehalt der entsprechenden Meldung angefochten wurde. Beim Veröffentlichen der Meldung trotz der Warnung wird es als "angefochtener Inhalt" angezeigt.

Vorerst nur in den USA

Am 16. März veröffentlichte Associated Press einen Faktencheck zum Blogeintrag von Newport Buzz. Darin weist die Nachrichtenagentur die Behauptungen des "falschen Artikels, der auf sozialen Medien weit verbreitet wird" zurück. Associated Press teilte mit, dass das Anfechten von fragwürdigen Inhalten "Teil eines anhaltenden Prozesses der Faktenprüfung" sei, der Inhalte kontrollieren soll, die im Verdacht stehen, Falschmeldungen zu sein.

Auch die fiktive Geschichte von The Seattle Tribune, wonach Donald Trumps Android-Handy für Enthüllungen aus dem Weißen Haus verantwortlich sei, wurde als "angefochten" gekennzeichnet. Unter dem Beitrag wurde auf Links verwiesen, die erklärten, warum der Artikel unwahr sei.

Neben der Anfechtung von Inhalten ist es Benutzern nach wie vor möglich, fragwürdige Inhalte unmittelbar an Facebook zur Überprüfung zu melden. Facebook selbst hat sich zu dem neuen Werkzeug noch nicht geäußert. Bisher funktioniert das neue Tool laut Medienberichten nicht in Europa oder Australien. Im Help Center von Facebook wird darauf verwiesen, dass das Feature noch nicht jedem User zur Verfügung stehe.

Verantwortung für "bestmöglichen Einfluss auf unsere Welt"

Facebook steht in der Kritik, nicht genügend gegen Fake-News vorzugehen. Mitte Dezember hatte Facebook angekündigt, Inhalte gründlicher zu überprüfen. Dabei wolle sich das soziale Netzwerk in den USA von seinen Benutzern sowie fünf unabhängigen Faktenprüfern – ABC News, Associated Press, PolitiFact, FactCheck.org and Snopes.com – helfen lassen. CEO Mark Zuckerberg gestand damals, dass man "Verantwortung trage, sicherzustellen, dass Facebook den bestmöglichen Einfluss auf unsere Welt hat".

Auch in Deutschland gibt es eine Debatte über Falschmeldungen und rechtswidrige Inhalte auf sozialen Medien: Vor einer Woche kündigte Justizminister Heiko Maas (SPD) an, gegen soziale Netzwerke vorzugehen, die gemeldete Inhalte nicht schnell genug überprüfen und löschen. Anfang März urteilte das Landgericht Würzburg, dass Facebook nicht dazu verpflichtet sei, Fake-News aktiv zu löschen.