Wer soll mitmachen?

Die Bundeswehr braucht für ihr neues Kommando weitere qualifizierte Mitarbeiter. In erster Linie sucht sie "händeringend Nerds", wie es im Bericht des Aufbaustabs für die neue Organisation heißt. Dort wird vorgeschlagen, um "neue oder bislang unterrepräsentierte Bewerbergruppen" zu werben. Will heißen: Wer es bislang nicht in die Truppe schaffte oder schaffen wollte – hat jetzt eine neue Chance. Dazu zählten Menschen, die bislang für nicht geeignet gehalten wurden oder einer Gruppe angehörten, die bei der Bundeswehr unterrepräsentiert ist – etwa Menschen mit Migrationshintergrund.

Damit solche Menschen Lust auf die Truppe bekommen, hat sich das Ministerium Methoden ausgedacht, die für die Bundeswehr innovativ und unkonventionell scheinen. Beispielsweise sollen IT-Turniere durchgeführt werden. Diese Form der Personalrekrutierung, etwa in Form von "LAN-Partys für die Rekrutierung von Talenten aus der Gamer-/E-Sport-Szene ist genauso in Betracht zu ziehen wie aktiv beworbene Stipendienmöglichkeiten (Cyber-Stipendien)", heißt es in dem Bericht des Aufbaustabs. Auf der Website des Verteidigungsministeriums wirbt die Bundeswehr auch um Fachfremde, die sich für die Bundeswehr interessierten: "Als Seiteneinsteiger sollen sie ihre Fachexpertise einbringen können. Das Angebot richtet sich auch an Freiwillige, die sich außerhalb der Strukturen der Bundeswehr – im Sinne eines ehrenamtlichen oder bürgerschaftlichen Engagements – betätigen wollen."

Langfristig soll an der Bundeswehruniversität München ein eigener Studiengang für Cybersicherheit eingerichtet werden, mit geplant 13 neuen Professuren und jährlich 70 Absolventen. Der startet aber erst 2018. Kurzfristig setzt das Verteidigungsministerium deshalb auf Berufs- und Zeitsoldaten, die aus dem IT-Bereich kommen und "nach ihrer Dienstzeit weiterhin ihre Expertise einbringen können". Auch "Führungskräfte einschlägiger Unternehmen, aber auch Professoren sollen ihre Kompetenzen unkompliziert und aktiv einbringen können".

Warum ist es schwierig, gute Bewerber zu finden?

Die Personalsuche wird zusätzlich erschwert, weil die Bundeswehr bei den Löhnen nicht mit der freien Wirtschaft konkurrieren kann. Qualifizierte IT-Experten können in Unternehmen ein Vielfaches mehr verdienen als bei der Bundeswehr. Das weiß auch Staatssekretärin Suder: Geld sei ein Faktor, wenngleich "nur einer". Die ehemalige Unternehmensberaterin sagte, es sei "unglaublich befriedigend, seinen Teil zu leisten" und Deutschland zu dienen.

Selbst wenn sich Freiwillige melden, könnte ihre Anwerbung durch die starren Personalanforderungen der Bundeswehr verkompliziert werden. Soldaten haben Fitnesstests zu absolvieren und wenn sie Offizier werden wollen, brauchen sie zwingend ein abgeschlossenes Studium. Suder sagte, es sei vorstellbar, diese Regeln aufzuweichen. "Wir müssen uns auch mit dem Fitnessgrad beschäftigen", sagte sie. Und es müsse möglich sein, dass Menschen mit abgebrochenem Studium Laufbahnen bei der Bundeswehr einschlagen. Wie weit dieser Gedanke aber auch schon die für das Personal zuständigen Stellen in der Bundeswehr erreicht hat, sagte Suder nicht.

Die Staatssekretärin will nicht nur auf fest angestellte Hacker setzen, auch ein Dienst auf Zeit in einer sogenannten Cyberreserve sei vorstellbar. Warum sollten Mitarbeiter von IT-Abteilungen der Wirtschaft nicht für ein Jahr bei der Bundeswehr arbeiten wollen, fragte sie. Ein ähnliches Konzept hatte bereits das Bundesinnenministerium entwickelt. In der "Cybersicherheitsstrategie für Deutschland 2016" heißt es, es sei zu hoffen, dass die Wirtschaft freiwillig Leute abstellt, um bei Problemen zu helfen. Unterstützung durch zivile Akteure sei "zulässig und denkbar", hieß es in dem Papier. Auch das Anheuern von Cybersöldnern wird in dem Konzept des Innenministeriums diskutiert.

Wie ist die neue Kriegsführung geregelt?

Innere und äußere Sicherheit sind bei Cyberkriegen nicht mehr klar zu trennen, entsprechend gab es in der Vergangenheit immer wieder Diskussionen über die Zuständigkeiten zwischen dem Verteidigungs- und dem Innenministerium.

Zudem steht die Frage im Raum, ob der Bundestag den Einsätzen der Cyber-Truppe zustimmen muss. Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels (SPD) hält das für ausdrücklich notwendig: "Jede offensive Maßnahme unserer im Grundgesetz verankerten Parlamentsarmee Bundeswehr braucht ein ausdrückliches Mandat des Bundestages", sagte Bartels.

Diese Regel müsse nicht nur für militärische Angriffe, sondern auch für virtuelle Attacken auf das Datennetz eines Gegners gelten. "Selbst der große Verteidigungsfall würde sich ja nicht selbst feststellen, sondern nach Artikel 115a des Grundgesetzes stellt ihn der Bundestag mit Zustimmung des Bundesrates fest", sagte Bartels.