Bislang wenden sich Monat für Monat Zehntausende Cord Cutter genannte US-Kunden, die ihre Kabel-TV-Angebote kündigen, um zu Streamingdiensten zu wechseln, Netflix oder Amazon Prime zu und nicht Apple TV. Ein geplanter Einstieg in das Geschäft mit Abos für TV-Sender sei am massiven Widerstand der TV-Industrie gescheitert. Die wollte sich nicht, so wie damals die Musikindustrie mit iTunes, von Apple vorführen lassen.

Auf der Entwicklerkonferenz 2017 musste Cook zähneknirschend den Start von Amazon Prime Video auf Apple TV als große Neuigkeit verkünden, um die Attraktivität zu steigern. Im Januar hatte er noch gesagt, man habe in puncto Originalinhalte "den großen Zeh ins Wasser gehalten und gelernt. Jetzt werden wir weitersehen". Die Frage ist, wie schnell? Potenzial ist vorhanden: Insgesamt zählt Apple mehr als 150 Millionen Abo-Kunden für seine zahlreichen Dienste und Angebote. Ein guter Teil ließe sich sicher in zahlende Streaming-Kunden umwandeln.

Netflix: "Die Stärke unserer Programme unterschätzt"

Vorerst erntet aber Reed Hastings die Früchte des frühen Markteintritts. Das zweite Quartal gilt traditionell als ein schwaches für Netflix, doch die jetzt vorgelegten Zahlen zeigen erstmals keine Anzeichen der typischen Frühjahrsmüdigkeit.

Erstmals verzeichnet der Dienst mehr als 100 Millionen Abonnenten insgesamt und schließt damit langsam zu Apple auf, mehr als 50 Prozent der Kunden befinden sich im Ausland. Für das laufende Quartal gibt sich Netflix verhalten optimistisch und schätzt 3,65 Millionen internationale und 0,75 Millionen US-amerikanische Neukunden. Man habe im zweiten Quartal "klar die Stärke unserer Programme unterschätzt", heißt es weiter, aber man wolle sich mit den Zahlen nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Hier sieht man einen weiteren Unterschied zu Apple. Während dort immer von neuen Rekorden berichtet wird, heißt es in Hastings Aktionärsbrief lapidar: "Es war ein gutes Quartal."