Die einen beschreiben Hutchins als immens wertvollen Helfer im Kampf gegen Kriminelle, der sein Wissen bereitwillig auch mit Regierungsstellen teile und seit Jahren dazu beitrage, dass das Internet ein wenig sicherer wird. Seine Festnahme werde dazu führen, dass andere mit seinen Fähigkeiten künftig von der freiwilligen Kooperation mit staatlichen Behörden absehen werden, um nicht in deren Visier zu geraten.

Der Sicherheitsforscher Robert Graham, wie Hutchins ein ausgewiesener Experte für Malware, weist darauf hin, dass White-Hat-Hacker sich mitunter öffentlich über neue Angriffsmethoden austauschen und dazu auch Code schreiben, der dann mitunter von Kriminellen verwendet wird. So sei es auch denkbar, dass ein von Hutchins geschriebener, für sich genommen harmloser Code in Kronos gelandet ist. Bislang sei nicht einmal klar, welchen Teil von Kronos Hutchins entwickelt haben soll. Die Malware besteht einer Analyse von Kaspersky zufolge aus verschiedenen Komponenten, die zum Teil schon früher in anderen Schadprogrammen aufgetaucht waren.

Für seine Unschuld spricht für manche auch, dass Hutchins im Juli 2014 auf Twitter gefragt hatte, ob jemand den Kronos-Code habe und mit ihm teilen würde. Als Versuch, seine Spuren zu verwischen, wäre das jedenfalls äußerst plump.

Der Kryptografie-Professor Matthew D. Green schrieb auf Twitter, ohne Hutchins dabei namentlich zu erwähnen, es sei nichts Ungewöhnliches, wenn ein talentierter Hacker in seiner Jugend "einmal etwas Dummes" getan habe und später zu einem "produktiven Mitglied der Gesellschaft" werde. Allein ist er mit der Meinung nicht.

David Aitel hingegen, ehemaliger NSA-Mitarbeiter und heute CTO eines Herstellers von Sicherheitssoftware, ist überzeugt, dass Hutchins "etwas mit WannaCry zu tun hatte" und dass die "Story vom kill switch eindeutig Bullshit" sei.

Für die Äußerung wird er von anderen in der Szene scharf kritisiert, aber immerhin in einem sind sich beide Seiten einig: Der harsche Umgang der Strafverfolger mit Hutchins sei kontraproduktiv und strategisch unklug, weil er die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Behörden und privaten Sicherheitsforschern weiter verschlechtere. Die unausgesprochene Drohung dahinter: Den nächsten kill switch müsst ihr ohne unsere Hilfe finden.