Neben der hohen, wenn auch teilweise gefälschten Aktivität in den geschlossenen Facebook-Gruppen könnten aber auch die in ihnen diskutierten Inhalte ein Grund dafür sein, weshalb sie jetzt kurz vor der Bundestagswahl vielen Nutzern vorgeschlagen wurden.

In ihrer aktuellen Ausgabe hat die ZEIT in Zusammenarbeit mit dem Kölner Datenspezialisten Unicepta die meistdiskutierten Themen hinsichtlich der Bundestagswahl in sozialen Netzwerken analysiert. Das Ergebnis: Nichts bewegt die deutschen Nutzer mehr als Kriminelle und Flüchtlinge. In einem Zeitraum von vier Wochen wurden alleine Flüchtlingsthemen sieben Millionen mal geteilt, gelikt und kommentiert. Das betrifft die öffentlichen Reaktionen, doch eine aktuelle Facebook-Analyse von anonymisierten privaten Inhalten kommt zu ähnlichen Ergebnissen.

Wie stark ein Thema anregt und aufregt, lässt sich an der durchschnittlichen Zahl der Reaktionen ablesen, die ein Beitrag hervorruft (wie oft wurde er kommentiert, geteilt und gelikt). Basis: 3,26 Mio. deutschsprachige Artikel und Postings (online, soziale Medien) zu vordefinierten Themen zwischen dem 10.08. und 07.09.2017

Unicepta Research September 2017 © ZEIT-Grafik

Es sind genau jene Themen, die auch in den AfD-nahen Gruppen eine zentrale Rolle spielen. Und die es ihnen somit erlauben, viel Aufmerksamkeit zu erregen: "Unter den zehn wichtigsten Nachrichtenquellen und Absendern in den sozialen Netzwerken, gemessen an dem Engagement, das sie erzeugen, sind fünf eindeutig der rechtspopulistischen Szene und der AfD zuzuordnen", heißt es in der ZEIT.

Zusammengefasst ergibt sich folgendes Bild: Rechte Quellen mit ihrer Mischung aus aufgeladenen Themen, künstlich aufgeblähter Aktivität und einem über lange Zeit gewachsenen Bot-Netzwerk bestimmen den politischen Diskurs in den sozialen Netzwerken. Und sie könnten damit nun sogar den Empfehlungsalgorithmus von Facebook ausgetrickst haben. Wer am lautesten schreit, hat zwar auch im Netz nicht immer recht. Aber zumindest die Aufmerksamkeit.