Facebook, eines der größten Werbeunternehmen der Welt, hat bis diese Woche seinen Anzeigenkunden ermöglicht, gezielt Antisemiten anzusprechen. Nach einem Bericht des US-Portals ProPublica konnte für die Vermarktung von Naziandenken oder die Promotion von rechtsradikalen Veranstaltungen unter anderem die Zielgruppe "Juden-Hasser" ausgewählt werden. Oder auch die Zielgruppen "Wie man Juden verbrennt" und "Hitler hat nichts Falsches getan".

Nachdem ProPublica seine Recherchen vorlegte, entfernte Facebook die Werbekategorien. Sie beruhten auf Angaben, die Facebookanwender über sich selbst machen, etwa über ihren Bildungsweg, Alter und Weltanschauung. Offenbar hatten ausreichend viele Nutzer in die entsprechenden Freitextfelder so etwas "Juden-Hasser" geschrieben, sodass Facebooks Algorithmus daraus eine eigene Kategorie generierte.

Ein Manager des Unternehmens gelobte Besserung: "Wir entfernen diese durch die Anwender selbst angegebene Zielgruppe, bis wir über die richtigen Prozesse verfügen, um dieses Problem zu vermeiden". Die Richtlinien von Facebook untersagten strikt, Menschen wegen ihrer Eigenschaften zu attackieren. Dazu zähle auch die Zugehörigkeit zu einer Religionsgruppe. "Dennoch tauchen immer wieder Inhalte auf, die unsere Standards verletzen. Wir wissen, dass wir noch eine Menge Arbeit vor uns haben."

Weitere Kategorien: "NSDAP" und "Hitler hat nichts Falsches getan"

Auf Facebook kann man gezielte Werbung für eine Auswahl aus Tausenden Kategorien schalten – neben Geschlecht, Alter, Wohnort können das zum Beispiel auch Interessen oder Sprache sein. ProPublica schaltete im Rahmen der Recherchen selbst drei Anzeigen, die sich an Antisemiten richteten. Die seien von dem Facebooksystem innerhalb von 15 Minuten akzeptiert worden.

Allerdings gab es gewisse Einschränkungen: Da nur 2.274 Facebooknutzer das englische "Jew hater" in ihr Profil geschrieben hatten, verweigerte Facebooks Anzeigensystem die Werbung wegen zu geringer Reichweite zunächst. ProPublica musste diverse Kategorien hinzufügen, um die Mindestgröße des gewünschten Publikums zu erreichen, darunter "German Schutzstaffel" und "NSDAP". So wie auch "Wie man Juden verbrennt" waren das alles Kategorien, die in Facebooks Anzeigensystem existierten, weil der Algorithmus genügend entsprechende Profileinträge gefunden hatte. Die Formulierung "Jew hater" änderte Facebook zudem bei jedem Versuch in das polnische Wort "Antysemityzm". ProPublica veröffentlichte einen Screenshot von Facebooks Auftragsbestätigung.

Mittlerweile sind die antisemitischen Kategorien verschwunden. Vergleichbare Kategorien mit Begriffen zu anderen Religionen wie etwa "Muslim hater" konnte ProPublica nicht entdecken.

Es ist das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass Facebooks Werbesystem in Verruf gerät. In der vergangenen Woche musste das Unternehmen einräumen, dass seine Werbeplattform im US-Wahlkampf 2016 für politische Anzeigen von "nicht authentischen" Accounts missbraucht wurde, die mit Russland in Verbindung stehen.