Wenn Amazon nur noch einmal klingelt: Mit einem Key genannten Dienst will das Unternehmen die Lieferung von Bestellungen vereinfachen, indem der Amazon-eigene Lieferdienst die Wohnungstür des Kunden selbst öffnet. Dafür müssen sich Kunden ein smartes Türschloss und Amazons erste eigene Überwachungskamera besorgen. Amazon verspricht, jeglicher Missbrauch sei ausgeschlossen.

Der Dienst steht nur für Prime-Kunden und vorerst nur in den USA zur Verfügung. Für einen Preis von 250 US-Dollar aufwärts gibt es ein smartes Türschloss der Hersteller Yale oder Kwikset inklusive Montage. Zudem ist die neu vorgestellte Cloud Cam von Amazon obligatorisch.

Start in 37 US-Städten

Ab dem 8. November 2017 soll der Key-Dienst in 37 US-Städten angeboten werden. Dabei handelt es sich um Städte, die direkt von Amazons eigenem Lieferdienst versorgt werden. Denn für Key will Amazon nur eigene Lieferanten einsetzen.

Wenn Prime-Kunden eine sogenannte In-House-Bestellung durchführen, werden sie am Liefertag informiert, in welchem Vier-Stunden-Zeitfenster die Lieferung erfolgt. Unmittelbar vor der Auslieferung gibt es dann noch einen Hinweis für den Kunden. Dieser kann dann über die Überwachungskamera prüfen, ob die Zustellung reibungslos abläuft. Dazu muss die Überwachungskamera natürlich so aufgestellt sein, dass sich die Eingangstür im Blickfeld der Kamera befindet.

Amazon öffnet die Haustür aus der Cloud

Zunächst klingelt der Lieferant, für den Fall, dass doch jemand zu Hause ist. Macht niemand auf, fordert der Fahrer das Öffnen der Tür. Dazu überprüft Amazon, ob das entsprechende Paket an der richtigen Adresse ist und sich der Bote in der Nähe der Tür befindet – oder zumindest der entsprechende Handscanner. Der Fahrer selbst hat keinen Zugriffscode oder Ähnliches für das Türschloss.

Das Öffnen der Tür erfolgt dann zentral von Amazon aus, dabei wird auch die Überwachungskamera aktiviert. Sobald die Tür geöffnet ist, hat der Fahrer die Anweisung, sie nur minimal zu öffnen und das Paket in der Nähe der Tür abzustellen. Nach Möglichkeit sollen die Boten die Wohnung gar nicht erst betreten. Danach sind die Lieferanten angewiesen, die Tür wieder zu verschließen.

Wenn der Bote vergisst, die Tür zu schließen

Sobald das Paket abgestellt wurde, erhält der Käufer eine Benachrichtigung und kann dann mittels Überwachungskamera prüfen, ob das Paket da und die Tür verschlossen ist. Er kann dazu ein Video des gesamten Lieferprozesses ansehen. Falls der Fahrer vergessen haben sollte, die Tür zu verschließen, kann der Käufer das zwar sehen, wird aber nicht unbedingt aktiv darüber informiert.

Wer Key nutzt, muss sich also darauf verlassen, dass keine Fehler passieren. Ansonsten riskiert er, dass Unbefugte Zutritt zur Wohnung erlangen und diese ausräumen können. Und wenn Diebe sich maskieren, dürfte einem die Überwachungskamera auch nicht viel helfen, zumal diese auch nur Full-HD-Auflösung aufnimmt und noch nicht in 4K, wie etwa die Nest-Überwachungskamera Cam IQ.

Cloud Cam nur sinnvoll mit Abo nutzbar

Mit der neu vorgestellten Überwachungskamera Cloud Cam steigt Amazon in den Markt mit Sicherheitskameras ein. Die Cloud Cam wird vorerst nur in den USA angeboten und kostet dort 120 US-Dollar. Mit Hilfe von Bewegungssensoren soll die Kamera nur Alarm schlagen, wenn Bewegungen bemerkt werden. Das Kamerabild kann mit Alexa-fähigen Displays wie dem Echo Show oder Echo Spot auf Zuruf angesehen werden.

Wenn Kunden die Möglichkeiten der Kamera ausreizen wollen, sind zusätzliche kostenpflichtige Abos erforderlich. Das Basispaket erlaubt das Ansehen der Videoclips einer Woche für bis zu drei Kameras und kostet pro Jahr 70 US-Dollar. Wer mehr will, zahlt pro Jahr bis zu 200 US-Dollar. Es ist nicht bekannt, wann Key und Cloud Cam auch in Deutschland angeboten werden.