Wer nicht felsenfest vom Erfolg der Kryptowährungen überzeugt ist, dem dürfte angesichts der jüngsten Kursentwicklung schwindelig werden: War der Bitcoin-Kurs Anfang vergangener Woche noch um mehr als ein Viertel auf unter 5.700 Dollar abgesackt, hat er sich bereits wieder gefangen. Mehr noch, am Montag notierte der Bitcoin auf einem neuen Allzeithoch bei rund 8.200 Dollar. Der Kurs hat sich damit seit Jahresbeginn mehr als verachtfacht.

Der – am Dienstag allerdings kurzzeitig unterbrochene – Kurs-Höhenflug lässt sich zunächst mit technischen Gründen erklären. Der Bitcoin leidet unter dem eigenen Erfolg: Zu viele neue Nutzer tummeln sich im Netzwerk, was Überweisungen verlangsamt. Lösen sollte das ein Programmupdate mit dem kryptischen Namen "Segwit2x". Als dieses am Widerstand der Nutzermehrheit scheiterte, brach der Kurs ein. Viele Produzenten schwenkten auf die Konkurrenzwährung Bitcoin Cash um, was dem Bitcoin Rechenleistung entzog. Zwischenzeitlich stauten sich mehr als 170.000 unbestätigte Überweisungen im Netzwerk – eine veritable Krise.

Diese ist nun überwunden: Der Überweisungsstau ist abgearbeitet, viele Nutzer kehren zum Bitcoin zurück und treiben ihn auf neue Rekordhöhen. "Der Markt ist hochdynamisch, die Liquidität nach wie vor recht niedrig. Daher können kurzfristige Stimmungen den Kurs stark beeinflussen", erklärt Professor Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance and Management die Schwankungen. Das eigentliche Momentum aber sei ungebrochen. "Der Bitcoin kann als Krypto-Basiswährung bezeichnet werden, da Handel in anderen Kryptowährungen gegen den Bitcoin stattfindet. Das ist ein unschlagbarer Vorteil trotz technischer Schwächen. Um ihn herum ist ein kleiner Finanzkosmos entstanden", sagt Sandner.

Noch stärker treibt ein Langfrist-Trend den Kurs. "Immer mehr traditionelle Investoren werden auf das Thema aufmerksam, begreifen den Bitcoin und andere Kryptowährungen als eine neuartige Asset-Klasse", sagt Sandner.

Bitcoin-Future ab dem 10. Dezember

Während Top-Banker wie JP-Morgan-Chef James Dimon Kritik äußern, zeigen sich andere vorsichtig aufgeschlossen. Zu ihnen gehört Lloyd Blankfein: Er möge den Bitcoin zwar nicht, erklärte der Goldman-Sachs-Chef jüngst, aber vielleicht stelle er die nächste Entwicklungsstufe des Geldes dar. Neben Goldman untersucht auch die Großbank Citigroup die Währung.

Schon weiter ist die weltgrößte Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME). Diese hatte Ende Oktober angekündigt, ein Bitcoin-Future anzubieten, einen Terminkontrakt auf die Kryptowährung. Mit dessen Hilfe könnten sich Anleger gegen Preisschwankungen absichern. Lange war zweifelhaft, ob die Aufsichtsbehörden grünes Licht geben. Am Montag veröffentlichte die CME jedoch ein Startdatum, 10. Dezember.

Beobachter sehen den CME-Plan kritisch, befürchten Schockwellen an den Märkten, sollte die Blase platzen. CME-Chef Terry Duffy widerspricht: "Wenn der Preis steil fällt, dann werden wir den Handel aussetzen." Man werde den Bitcoin zähmen und zu einem regulären Finanzinstrument machen, das nach den üblichen Regeln gehandelt werde, – so seine Vision.