Die Bertelsmann-Stiftung gilt als eher arbeitgebernah und wird mitunter als neoliberal bezeichnet. Spielkamp hält seine Initiative dennoch für unabhängig: "Unsere Fördermittel sind breit gestreut", sagt er. Für ihr Datenspende-Projekt zur Untersuchung des Google-Algorithmus vor der Bundestagswahl haben er und seine Mitstreiter Geld von sechs Landesmedienanstalten bekommen, und im Januar beginnen sie mit einer Untersuchung von automatisiertem Personalmanagement, mit 250.000 Euro gefördert von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Dabei wollen sie in deutschen Unternehmen eine Art Bestandsaufnahme machen: Mit welcher Software wird das Personal gesteuert und wie geschieht das? "Wir sind sehr gespannt, wie auskunftsbereit Unternehmen sind, die solche Systeme anbieten oder einsetzen", sagt Spielkamp.

Auf diese Weise für Transparenz und Aufmerksamkeit zu sorgen, ist auch für Müller-Eiselt ein geeigneter Weg, die Entstehung der algorithmengesteuerten Gesellschaft unter demokratischer Kontrolle zu halten. Gesetzliche Regulierung allein hält er – wie auch Spielkamp – nicht für ausreichend. "Gesetzliche Regulierung wird dem technisch Möglichen immer hinterhereilen", sagt er. Deshalb fordert er auch die Entwicklung einer Professionsethik für Entwickler, ähnlich dem hippokratischen Eid von Medizinern, die Errichtung von Prüf- und Beschwerdeinstanzen sowie Mechanismen, die eine Monopolisierung auf dem Markt für ADM-Systeme verhindern.

Um dabei ein halbwegs gewichtiges Wort mitreden zu können, muss AlgorithmWatch weiter wachsen. Spielkamp will 2018 deshalb zum einen beginnen, Spenden per Crowdsourcing zu sammeln, zum anderen will er Bürgern die Möglichkeit geben, sich ehrenamtlich für seine Organisation zu engagieren. Wie genau das aussehen soll, weiß er allerdings selbst noch nicht.

In die Liga etwa der Electronic Frontier Foundation (EFF), der Bürgerrechtsbewegung in den USA mit rund 50 hauptamtlichen Mitarbeitern, wird AlgorithmWatch damit auf absehbare Zeit ebenso wenig kommen wie die anderen deutschen Digital-Initiativen und -Vereine. Aber alle diese Gruppen konkurrieren um Geld, Zeit und Aufmerksamkeit der Bürger und können nur hoffen, dass die "Hobbylobby" wächst.