Seit Anfang des Jahres hat sich der Wert von Bitcoins ungefähr vervierzehnfacht. Wer jetzt noch zweifelt, ob er einsteigen soll, braucht nur die folgenden zehn Meldungen aus der laufenden Woche zu lesen. Zusammengenommen sagen sie eigentlich alles, was man als Neuling über Bitcoin wissen muss.

Dantes Inferno

Auf manchen Handelsplattformen hat der Bitcoin-Kurs die 20.000-Dollar-Marke zwischenzeitlich bereits überschritten. In Simbabwe zum Beispiel. Vielleicht haben die meisten Investoren deshalb die Warnung von Sir Howard Davies überhört. Der Vorstandsvorsitzende der Royal Bank of Scotland schlug am Donnerstag ein Motto für den Umgang mit Bitcoin vor, das berühmte Zitat aus Dantes Inferno: "Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren."

Nummer eins im App Store

Früher™ haben wir auf unseren iPhones nichts lieber getan, als Tiere zu quälen. Unschuldige Zeiten waren das. Heute geht es vor allem ums Geld: Die App von Coinbase hat es am Donnerstag auf Platz eins der Download-Charts für iOS geschafft (Genauer: Downloads von kostenlosen Apps in den USA). Mit der App können Nutzer unter anderem Bitcoin und Ether handeln, verwalten oder damit bezahlen. Zur Feier des Tages war der Dienst über viele Stunden nicht erreichbar.

Millionen auf der Müllhalde

Das Königreich Sicherheitskopien-sind-überbewertet hat einen ungekrönten Herrscher: James Howells aus Wales. Der 32-Jährige hat im Jahr 2013 eine Festplatte mit dem privaten Schlüssel zu einer Wallet entsorgt, in der sich 7.500 Bitcoins befinden. Die Festplatte liegt seither auf der Müllhalde von Newport. Immer wieder hat Howells versucht, eine Genehmigung zur Suche zu bekommen – stets vergeblich, unter anderem aus Sicherheits- und Umweltschutzgründen. Als der Wert der Wallet Anfang der Woche die 50 Millionen Dollar überstieg, griff Howells zur schärfsten Waffe, die er zur Verfügung hat: dem Tweet. Auf Twitter schlug er am Montag vor, für den Stadtrat zu kandidieren und im Falle eines Wahlsiegs die Festplatte ausgraben zu lassen und die Hälfte seiner Bitcoins der Stadt zu schenken. Mittlerweile wären sie mehr als 100 Millionen Euro wert.

Bitcoin-Lotto

Apropos Twitter: Ein gewisser Travis Weaver behauptet dort, vor sechs Jahren 1.500 Bitcoin gekauft zu haben, für jeweils 2,87 Dollar. Aus allen, die ihn retweeten, will er am Freitag fünf Menschen zufällig bestimmen und jedem von ihnen ein Bitcoin schenken. Ob er die Bitcoin wirklich hat, ist unklar. Aber 141.000 Retweets, die hat er eindeutig. Mittlerweile gibt es noch andere Twitter-Nutzer, die auf diese Weise Aufmerksamkeit erregen wollen.

Everybody be cool, this is a robbery

Bitcoin käme zwar wunderbar ohne Banken aus. Aber ohne Bankraub geht es offenbar nicht. Die in Slowenien beheimatete Handelsbörse NiceHash räumte am Mittwoch ein, ausgeräumt worden zu sein. "Unglücklicherweise", so beginnt die offizielle Mitteilung, "gab es einen Sicherheitsverstoß, der mit der NiceHash-Website zu tun hat." Der "Zwischenfall" werde derzeit untersucht. Da es aber keinen Euphemismus-Nobelpreis gibt, werden die Betreiber im zweiten Absatz deutlicher: "Unser Zahlungssystem wurde kompromittiert und die Inhalte unserer Bitcoin-Wallet gestohlen." 4.700 Bitcoin haben die NiceHash-Kunden durch den Hack insgesamt verloren. Umgerechnet sind das etwa 64 Millionen Euro, Stand Freitagmorgen. Der Rest der Mitteilung ist dann wieder in feinstem Schönsprech gehalten: "Wir verstehen, dass Sie viele Fragen haben werden" und "Die Unannehmlichkeiten tun uns wirklich leid".

No future

Am Sonntag beginnt an der Chicagoer Börse CBOE der Handel mit Bitcoin-Futures, kurz darauf wird die Terminbörse CME folgen. Damit werden Spekulationen auf die Kursentwicklung möglich, auch auf einen Wertverfall. Es wäre nicht das erste Mal, dass solche Wetten zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden.

Staatscoin

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat eine ganz eigene Vorstellung von der Zukunft. "Das 21. Jahrhundert ist da", sagte er am Sonntag in seiner wöchentlichen Fernsehansprache. Sein Land werde eine eigene virtuelle Währung namens Petro einführen, die aber hinterlegt werden soll mit Öl, Gas, Gold und Diamanten. Weil Maduro aber praktisch keine Details nannte, zuletzt nicht gerade die allererfolgreichste Wirtschaftspolitik betrieben und möglicherweise auch nicht ganz verstanden hat, unter welchen Umständen ihm eine Kryptowährung wirklich helfen könnte, sollte man den Petro nach Ansicht von Experten am besten schon vergessen, bevor es ihn gibt.

Alte Kohle für neue Kohle

Im Juli 2019 werde das Bitcoin-Netzwerk mehr Strom verbrauchen als die gesamten USA, im Februar 2020 so viel wie die ganze Welt, schätzte der Meteorologe Eric Holthaus am Dienstag. Ja, Meteorologe. Und ja, schätzte. Solche Vergleiche gibt es immer wieder, und ihre Zahlen gehen weit auseinander. 2020 werde das Netzwerk so viel Strom verbrauchen wie Dänemark, heißt es etwa hier, schon jetzt verbrauche es mehr als 19 europäische Länder, steht wiederum hier. Gemeint ist stets, dass Bitcoin-Mining immer rechenintensiver wird, je mehr Bitcoins bereits erzeugt wurden, weshalb schon heute professionelle Miner zum Beispiel in der Inneren Mongolei ihre Bitcoin-Fabriken direkt neben Kohlekraftwerke bauen.