Wenn Sie diesen Text in Ihrer Facebook-Timeline gefunden haben, dann sollten Sie sich im Interesse Ihrer Gesundheit nach der Lektüre darüber mit Ihren Freunden austauschen. Das ließe sich, grob vereinfachend, aus all den Studien und Gegenstudien schlussfolgern, die zu der Frage im Umlauf sind, wie schädlich das Nutzen von sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. ist. 

Ziemlich schädlich, sagen nämlich die einen (hier zum Beispiel oder hier oder hier). Alles halb so wild oder zumindest nicht ganz so schlicht, sagen die anderen (hier zum Beispiel oder hier oder hier) und zitieren dafür gerne den US-amerikanischen Soziologen Charles Cooley. Der beklagte bereits 1909 "die merkwürdige Sitte, sich an den Frühstückstisch zu setzen und, statt mit seiner Frau und den Kindern zu plaudern, sich eine Art Bildschirm vors Gesicht zu halten und den allerletzten Gossip zu lesen". Damals ging es um die technisch-soziale Neuerung, dass Zeitungen fortan morgens ausgeliefert wurden.

Natürlich muss man dem Verdacht nachgehen, ob das regelmäßige Nutzen von sozialen Medien gesundheitliche Folgen hat. Depressionen beispielsweise. An der Frage forschen etliche Wissenschaftler (hier zum Beispiel oder hier oder hier). Das ist naturgemäß schwierig: Es gibt Ergebnisse; die Interpretation ist diffizil; es bedarf weiterer seriöser Forschung. So weit, so selbstverständlich. Doch ebenso selbstverständlich scheint es zu sein, das bereits Herausgefundene so lange zu interpretieren, bis es in das eigene Weltbild passt – eine zutiefst menschliche, aber eben nicht wissenschaftliche Reaktion.

Der Streit eskaliert in hübsch regelmäßigen Abständen, üblicherweise synchron zu jenen, in denen neue  Studienergebnisse bekannt werden. Das jüngste Beispiel ist nun ein besonders drolliges: Schon vor zwei Jahren hatte die American Psychological Association eine Langzeitstudie veröffentlicht, die belegt, dass die passive Nutzung von Facebook schlecht für das Wohlbefinden ist: Nur immer zu scrollen verstimmt, kann sogar depressiv machen.

Bitte nicht so passiv

Facebook hat sich nun selbst recht ausführlich mit der Situation auseinandergesetzt. Am Freitag posteten der Forschungsleiter des Unternehmens, David Ginsberg, und seine Mitarbeiterin Moira Burke einen Blogeintrag, in dem die kritischen Studien erwähnt werden. Und natürlich relativierende wie jene der Fachzeitschrift Social Issues and Policy Review. Dort heißt es: "Passives Nutzen von sozialen Netzwerken führt zu sozialem Vergleichen und zu Neid, was negative Folgen für das subjektive Wohlbefinden hat. Wenn im Gegensatz dazu der aktive Gebrauch von Plattformen sozialer Netzwerke zu subjektivem Wohlbefinden führt, liegt dies daran, dass dadurch soziales Kapital und das Gefühl sozialer Verbundenheit entstehen."

Auch eine Studie im Journal of Computer-Mediated Communication, auf die das Autorenduo verweist, besagt, dass das Wohlbefinden beim Verwenden von Facebook von der Art der Nutzung abhängt, also vom Verhalten des Nutzers. Eine Studie, deren eine Autorin übrigens die Facebook-Mitarbeiterin Moira Burke ist.

Auf dem Blog von Facebook hat sie nun mit Ginsberg geschrieben: "Wir wollen, dass Facebook ein Ort für die bedeutungsvolle Interaktion mit deinen Freunden und deiner Familie ist." Huch: "bedeutungsvolle Interaktion"? Das würde vermutlich Dreiviertel der Nutzer disqualifizieren. Will Facebook uns jetzt zwangsabmelden? Vermutlich nicht. Das ist die Art, mit der das Unternehmen versucht, die Menschen, also seine Kunden, darauf hinzuweisen, dass es sinnvoll ist, selbst aktiv zu werden (und nicht nur passiv zu lesen, got me, Leser?). Hey, sagt Facebook, konsumiert uns nicht nur, sondern postet bitte auch aktiv – und macht Facebook noch größer.

Ach ja. Denselben Blogpost hat Facebook übrigens dazu genutzt, neue Tools für seine Plattform bekannt zu geben – etwa wie man Beiträge des Ex-Partners oder anderer unliebsamer Personen ausschaltet. Selbstverständlich werden auch diese Funktionen dazu dienen, die negativen Folgen von exzessivem Facebook-Nutzen abzuschwächen.