Die persönlichen Vorschaubilder und kategorisierten Inhalte erreichen schließlich über eine persönliche Startseite die Zuschauer. Die wird für jeden Netflix-Kunden per Algorithmus erstellt, erklärt das Unternehmen. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen: Die Platzierung jedes einzelnen Films und jeder Serie ergibt sich aus dem Verhalten jedes Nutzers.

Netflix registriert dabei nicht nur, welche Filme ein Zuschauer ansieht. Sondern auch, wann er pausiert, vorspult und abbricht, auf welchem Gerät er unterwegs ist, nach was er sucht. Jeder Klick, den ein Kunde in der App tätigt, wird registriert. Jede Sekunde, die er anguckt, gespeichert und ausgewertet. Je länger jemand Kunde bei Netflix ist, desto mehr weiß der Dienst, was ihm gefallen könnte und was nicht. Netflix mag ein Streamingdienst sein. Es ist aber ebenso wie Google und Facebook ein Big-Data-Unternehmen, dessen Geschäft in der Analyse der Nutzer besteht.

Nur deshalb kann Netflix überhaupt Dinge wie den Binge-Watching-Report erstellen, in dessen Rahmen auch der Tweet über A Christmas Prince entstanden ist. So weiß Netflix, dass ein deutscher Nutzer schon 340-mal Ocean's Eleven geschaut hat. In Deutschland war der 29. Oktober in diesem Jahr – dem landesweiten Reformationstag sei Dank – der Tag, an dem am meisten Netflix konsumiert wurde. Und weltweit streamt niemand so viel wie die Mexikaner – ¡Felicidades!

Sprich nicht über Überwachungskapitalismus

Die Aufregung um den ironischen Tweet ließe sich nun schnell beenden, indem man einfach auf die Nutzungsbedingungen des Portals hinweist. Dass Netflix weiß, was du letzten Sommer geguckt hast, sollte dann einerseits so überraschend sein wie Weihnachtsdeko im November. Es ist nicht unheimlich, sondern gehört eben zum Geschäft.

Andererseits lässt sich die Aufregung aber auch nachvollziehen. Die Sprecher von Netflix sagten inzwischen, die Privatsphäre der Kunden sei ihnen wichtig und man werde keine einzelnen Nutzer anhand ihrer Vorlieben ansprechen. Was aber nicht bedeutet, dass Netflix dies nicht prinzipiell könnte. Tatsächlich gab es bereits 2009 eine Klage gegen das damals noch als Videoverleih tätige Unternehmen, weil es Nutzerdaten herausgab, ohne sie ausreichend zu anonymisieren. 2013 setzte sich Netflix für eine Gesetzesänderung ein, die unter anderem die Weitergabe von Sehgewohnheiten erlaubte: Seitdem kann der Dienst etwa Nutzerdaten mit Facebook teilen.

Vor diesem Hintergrund erscheint dann auch der Tweet in einem etwas anderen Licht. Man könnte ihn auch als Warnung verstehen, oder zumindest als eine Erinnerung daran, wie viel Internetunternehmen heute über die Vorlieben ihrer Kunden Bescheid wissen. Und wie in der Vergangenheit sowohl Spotify als auch Uber feststellen mussten, ist es nicht immer klug, mit diesem Wissen zu kokettieren. Die Journalistin Natasha Lomas von Techcrunch hat deshalb einen Tipp. Die erste Regel des Überwachungskapitalismus laute: Sprich nicht über Überwachungskapitalismus.