Darknet-Suchmaschine Grams wird abgeschaltet

Mit einem Douglas-Adams-Zitat verabschiedet sich der unbekannte Administrator der Suchmaschine Grams von seinen Nutzern. "Macht's gut, und danke für den Fisch" hat gramsadmin seine Ankündigung auf Reddit betitelt, Grams am 16. Dezember vom Netz zu nehmen. Nach dreieinhalb Jahren verschwindet damit eines der wenigen Angebote im Tor-Netzwerk, umgangssprachlich Darknet genannt, die einer funktionierenden Suchmaschine zumindest nahekommen.

Noch ist Grams mit dem Tor-Browser unter http://grams7enufi7jmdl.onion/ erreichbar. Die Seite liegt als sogenannter Hidden Service im Tor-Netzwerk und erinnert optisch ein wenig an Google. Sie ist aber keine vollumfängliche Suchmaschine. Vielmehr durchsucht Grams die bekanntesten Handelsplattformen im Tor-Netzwerk und gewichtet ihre Angebote. Es handelt sich also hauptsächlich um eine Produktsuche – mit einigen Zusatzfunktionen, die es Tor-Nutzern etwa erleichtern, bekannte Seiten im Netzwerk zu finden, ohne sich deren komplizierte Webadressen merken zu müssen.

Das Ganze funktionierte lange Zeit so gut, dass es schon im 2015 veröffentlichten Bericht The Rise and Challenge of Dark Net Drug Markets von Forschern der Universität Swansea hieß: "Grams hat eine Normalisierung der Aktivitäten im Darknet zur Folge, und es erleichtert den Zugang zu Schwarzmärkten." Bis zu 20.000 Nutzer hatte Grams nach Angaben des Anbieters damals schon am Tag, zumindest in Spitzenzeiten.

Geld verdient mit Anzeigen und einem Bitcoin-Tumbler

Wer mit Grams zum Beispiel nach bestimmten Drogen oder entsprechendem Zubehör sucht, erhält eine Linkliste, die wahlweise nach Relevanz des Marktplatzes, Preis oder Bewertung des Anbieters durch andere Nutzer sortiert werden kann. Angezeigt werden zudem der (Deck-)Name des Verkäufers und sein Standort, sowie ein Textausschnitt, in dem erste Informationen zum Angebot sichtbar sind.

Wer wiederum als Anbieter gelistet werden will, muss Grams über eine Schnittstelle erlauben, seine Seite nach Angeboten abzusuchen. Anfangs durchsuchte Grams die Marktplätze auch selbst mit einem speziellen Programm, doch das wurde irgendwann zu aufwendig.

Außerdem bietet der Betreiber einen sogenannten Bitcoin-Tumbler namens Helix an. Er dient Bitcoin-Besitzern bei der Verschleierung von Transaktionen, indem er Bitcoins zwischen verschiedenen Besitzern austauscht. Erst solche Tumbler ermöglichen es – theoretisch –, Bitcoin wirklich anonym zu nutzen. Denn da alle Transaktionen für jedermann sichtbar und auf ewig in der Blockchain abgespeichert werden, besteht die oft fälschlicherweise postulierte Anonymität von Bitcoin nur darin, dass nicht sofort ersichtlich ist, wem welche Bitcoin-Wallet und damit welche Bitcoins gehören. Ermittler können das aber durchaus herausfinden, zum Beispiel, wenn Bitcoin beim ersten Erwerb mit Kreditkarten bezahlt wird.

Finanziert hat sich Grams über Gebühren für die Nutzung des Tumblers sowie ein spezielles Werbeanzeigensystem für das Tor-Netzwerk. Letztlich ist dem Administrator aber die Pflege der Seite und die Aktualisierung der Angebote zu aufwendig geworden. "Es war ein wilder Ritt", schreibt er in seinem PGP-signierten Reddit-Post, "aber in letzter Zeit schwierig." Er habe persönlich und finanziell ein hartes Jahr hinter sich und glaube, die Abschaltung von Grams sei die beste Lösung für ihn.

Angeblich keine Probleme mit der Polizei

Screenshot von Grams © Screenshot Patrick Beuth / ZEIT ONLINE

Auf entsprechende Nachfragen von Reddit-Nutzern antwortet er, keine Probleme mit Strafverfolgern zu haben, die ihm auf den Fersen sein könnten, sondern mit Konkurrenten. "Wettbewerber", schreibt der Admin, hätten ihm in letzter Zeit das Geschäft mit dem Tumbler vermiest. Und die hohen Transaktionskosten, die – bedingt durch den aktuellen Boom – mittlerweile anfallen, wenn man Bitcoins zeitnah überweisen will, würden seinen Gewinn so sehr belasten, dass es "der Stress, die Seite zu betreiben, nicht mehr wert ist".

Grams-Nutzer haben noch bis zum 16. Dezember Zeit, ihre Bitcoins von der Seite abzuziehen. Bleiben welche unangetastet, verspricht der Administrator, sie für gute Zwecke zu spenden.

Bemerkenswert an Grams ist neben der langen Existenz der Seite und ihrer Popularität vor allem die Tatsache, dass der Betreiber sein Angebot offenbar selbst beendet, bevor es die Polizei tut, etwa wegen Geldwäsche. Internationale Ermittlungsgruppen hatten in den vergangenen Jahren zahlreiche große Handelsplattformen im Tor-Netzwerk unterwandert oder geschlossen.