Facebook will ausführlicher prüfen, ob vor der Brexit-Abstimmung russische Propaganda über das soziale Netzwerk verbreitet worden ist. Zuvor hatten sich britische Politiker beschwert, dass Facebook dem Verdacht nur unzureichend nachging. Es solle nun nach weiteren Accounts gesucht werden, die eine Verbindung zu russischen Stellen haben könnten, schrieb Facebooks britischer Politikdirektor Simon Milner in einem Brief an den Ausschuss für Digitales, Kultur und Medien des britischen Parlaments.

Zunächst hatte Facebook nur geprüft, ob bereits bekannte Facebook-Profile vor dem Referendum aktiv gewesen seien. Das Unternehmen konnte jedoch nur eine minimale Aktivität feststellen, etwa bei der Internet Research Agency. Die Agentur fiel bereits im US-Wahlkampf als Urheber russischer Propaganda auf und veröffentlicht manipulative Werbeanzeigen. Laut Facebook gab die Seite in der Zeit vor der Brexit-Abstimmung jedoch nur etwa einen Dollar für drei Anzeigen aus.

Der Ausschuss für Digitales, Kultur und Medien bewertete die Untersuchung als unzureichend und forderte Facebook auf, auch nach anderen Accounts mit möglichen russischen Verbindungen zu suchen. Es sei bekannt, dass russische Stellen Twitter-Bots während des Brexit-Referendums betrieben hätten, sagte der Ausschuss-Vorsitzende Damian Collins. Es sei wahrscheinlich, dass sie auch bei Facebook unterwegs gewesen seien. Collins begrüßte die erneute Prüfung. Unternehmen wie Facebook sollten ihre eigenen Untersuchungen machen, wenn es ein öffentliches Interesse gebe und nicht nur auf Geheimdienstinformationen reagieren, teilte Collins laut Buzzfeed News mit.

In Deutschland blockierte Facebook zahlreiche Accounts

Laut Facebook ist die nun angekündigte Überprüfung aufwendig und wird lange dauern. Die dafür benötigten Experten seien aktuell beschäftigt. Außerdem bat das Unternehmen Großbritannien um Hinweise, beispielsweise aus Geheimdienst-Analysen.

In den USA hat Facebook kürzlich eine russische Beeinflussung festgestellt: Monatelange Untersuchungen ergaben, dass es einen koordinierten Versuch von russischer Seite gab, Spannungen in der Gesellschaft zu verstärken und zur Wahl von Donald Trump zum Präsidenten beizutragen. Vor den Wahlen in Deutschland und Frankreich blockierte das Unternehmen Zehntausende gefälschte Accounts. Die russische Regierung weist alle Vorwürfe zurück.