Nicht jeder ist so ehrlich wie der Anbieter der Kryptowährung PonziCoin. "Ist das ein Scam?", steht in den FAQ auf der Website. "Ja, genauso wie 99 Prozent solcher Angebote da draußen", ist die Antwort. Man solle besser nicht in diesen Witz investieren. Wirklich nicht.

Natürlich haben das trotzdem Menschen getan, die sich vom Hype um Kryptowährungen das schnelle Geld versprachen. Im Fall von PonziCoin verloren Sie nicht wirklich viel, in anderen Fällen schon. Vergangene Woche etwa berichtete die ZEIT über die dubiosen Versprechen der Investmentplattform BitSequence. Oder die Anbieter des Blockchain-Projekts Prodeum, die sich diese Woche mit dem Geld der Anleger aus dem Staub machten – und auf der Website nur ein Wort hinterließen: "Penis". Nicht viel besser erging es manchen Investoren der Kryptowährung Iota.

Nachrichten wie diese häuften sich, nun reagierte Facebook. In den Anzeigenrichtlinien des Unternehmens heißt es jetzt, man dürfe nicht für Finanzprodukte und Finanzdienstleistungen werben, "die häufig mit irreführenden oder betrügerischen Werbepraktiken in Verbindung gebracht werden". Als Beispiel werden Anzeigen mit Aufrufen wie "Investieren Sie Ihren Rentenfond, um Bitcoin zu kaufen!" angebracht.

Falsche Versprechen ködern die Anleger

Man wolle die Nutzer zwar prinzipiell auf neue Angebote und Dienstleistungen hinweisen, schreibt Facebook-Manager Rob Leathern in der Pressemitteilung. Allerdings würden viele Anbieter nicht guten Gewissens handeln – vor allem, wenn es um Kryptowährungen und Initial Coin Offerings (ICO) geht, in denen Anleger vorab in eine neue Währung investieren und später bei deren Kurssteigerung Gewinn machen. Deshalb habe man sich für diese doch recht breit gefasste Richtlinie entschieden, die auch für Instagram und Partnerseiten von Facebooks Werbenetzwerk gilt.

Tatsächlich konnten die Nutzer des sozialen Netzwerks – ebenso wie Google-Nutzer – in den vergangenen Monaten zunehmend Werbung für digitale Geldbörsen, Investmentplattformen und das Schürfen von Bitcoin und anderen Währungen sehen. Zudem werden Nutzer immer häufiger unaufgefordert per E-Mail kontaktiert. Die Verbraucherzentrale Hessen warnt: Oft seien diese Angebote "völlig intransparent" und über die Akzeptanz und Beständigkeit digitaler Währungen sei "kaum eine verlässliche Aussage möglich".

In den USA hat das selbst ernannte "Krypto-Genie" James Altucher nicht zuletzt dank omnipräsenter Bannerwerbung eine gewisse Bekanntheit erlangt. Doch viele dieser Angebote waren einzig darauf ausgelegt, mit unrealistischen und teils falschen Versprechen die Besitzer von Kryptowährungen zu ködern. Nachdem zuletzt auch die US-Börsenaufsicht vor Investitionen warnte und in dieser Woche gegen einzelne ICO vorging, hat Facebook nun sämtliche Werbung für solche Angebote von der Website verbannt. Da das Netzwerk einer der weltweit größten Vermarkter für Onlinewerbeanzeigen ist, könnte dieser Schritt Wirkung zeigen.

Auch legitime Angebote betroffen

Möglicherweise auch für Unternehmen, die legitime Angebote mit Kryptowährungen und der Blockchain-Technik anbieten. Das Onlineportal Recode vermutet, dass gerade Start-ups von Facebooks Entscheidung nachhaltig betroffen sein könnten. Denn auch wenn gerade vor allem Scammer und Betrüger in den Nachrichten stehen, gibt es zahlreiche Firmen, die durchaus gute und realistische Pläne haben. Im Hype um die Kurssteigerungen von Bitcoin und anderen digitalen Währungen wird schnell vergessen, dass die zugrundeliegende Blockchain, eine Art dezentrale Datenbank, in der sämtliche Überweisungen transparent, anonym und unfälschbar abgespeichert sind, eine zukunftsträchtige Technik ist.

Das wissen die Verantwortlichen von Facebook natürlich: Gründer Mark Zuckerberg schrieb noch Anfang des Jahres, er interessiere sich für Kryptowährungen und überlege, wie sich deren dezentraler Ansatz möglicherweise auch auf Dienste wie Facebook übertragen lasse. Im Verwaltungsrat des Unternehmens sitzen mit Peter Thiel und Marc Andreessen zwei Risikokapitalisten, die stark in Blockchain und Kryptowährungen investieren.

Während Facebook alles, was mit Krypto zu tun hat, zumindest aus der Werbung verbannt, verfolgt die Konkurrenz einen anderen Ansatz. Der japanische Messenger Line, der immerhin 200 Millionen aktive Nutzer hat, kündigte an, Kryptowährungen in den Dienst zu integrieren. Damit wolle man sich von Diensten wie WhatsApp (das Facebook gehört) absetzen. Ähnlich ambitionierte Pläne hat der Chatdienst Telegram.

Auch Facebook hält sich alle Optionen offen. Die Anzeigenrichtlinie soll wieder gelockert werden, wenn es gelinge, irreführende Werbung besser zu erkennen.