4. E-Sport und Gamesförderung

  • Das Ziel: In einem überraschenden Absatz im Koalitionsvertrag weist die mögliche große Koalition auf "die wachsende Bedeutung der E-Sport-Landschaft in Deutschland" hin. Deshalb wolle man E-Sport künftig "vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen." Auch soll die Games-Förderung auf Bundesebene unterstützt werden.
  • Die Realität: E-Sport wird ein großes Potenzial nachgesagt, sowohl kulturell als auch wirtschaftlich. Die Anerkennung als Sportart aber ist schwierig, wie Gutachten gezeigt haben. Es ist ein Henne-und-Ei-Problem: Die Politik will sich eigentlich nicht in die Autonomie des Sports und von Verbänden wie dem Deutschen Olympischen Sportbund einmischen. Gleichzeitig lässt sich E-Sport aber auch nicht mit allen klassischen Kriterien vergleichen, die für eine Sportart gelten. Eine Anerkennung würde finanzielle Vorteile für Profispieler und Organisatoren bringen und könnte ein neues Vereinswesen schaffen. Doch konkrete Pläne, die über PR hinausgehen, gibt es bislang nicht.
  • Die Einschätzung: SPD-Politiker wie Lars Klingbeil hatten sich bereits im vergangenen Jahr positiv gegenüber E-Sport geäußert. Die CSU-Mitglieder dagegen fielen in den vergangenen Jahren mehr durch Killerspiel-Rhetorik auf als mit Akzeptanz für Games als Kulturgut. Der neue Branchenverband game begrüßt das Programm der möglichen großen Koalition zwar und sieht es als "wichtiges Signal", auch im Vergleich von Deutschland als Games-Standort zu anderen europäischen Ländern. Doch damit die Abgeordneten mehrheitlich in den kommenden vier Jahren Videospiele und E-Sport als besonders förderbedürftig betrachten, wird noch viel Überzeugungsarbeit notwendig sein.

5. IT-Sicherheit

  • Das Ziel: Der von deutschen Politikern gern zitierte "Cyberraum" soll in den nächsten vier Jahren besser geschützt werden. Dazu soll das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur "nationalen Cybersicherheitsbehörde" ausgebaut werden. Für neue Produkte und Dienste, etwa aus dem Internet der Dinge, sollen neue gesetzliche Mindeststandards eingeführt werden.
  • Die Einschätzung: Die Sozialdemokraten wollten das BSI eigentlich vom Innenministerium lösen und zur eigenen Behörde machen. Davon ist im Koalitionsvertrag keine Rede mehr. Auffällig abwesend ist auch die Erwähnung von Zitis und Staatstrojanern. Stattdessen wird verklausuliert erwähnt, "den Ordnungsrahmen zu erweitern, um neuen Gefährdungen angemessen zu begegnen". Angesichts der Tatsache, dass auch das Innenministerium weiterhin von der Union geführt wird, kann man sich denken, was das bedeutet: Der Cyberraum – und seine Besucher – bleiben auch weiterhin vor allem verdächtig.