Schlecht in Mathe wegen Facebook?

Auch wenn Facebook unter Schülerinnen und Schülern schon wieder als out gilt: Die meisten nutzen es weiterhin, genau wie Instagram, Snapchat oder die ein oder andere neuere soziale Plattform. Seit Kinder und Jugendliche Smartphones und Tablets haben, fragen sich Eltern: Wie schädlich ist es, viele Stunden der Freizeit in solchen Netzwerken zu verbringen? Schadet eine exzessive Social-Media-Nutzung am Ende sogar der schulischen Leistung?

Studien dazu gibt es reichlich, doch deren Ergebnisse fallen unterschiedlich aus. Nun hat ein Team der Uni Würzburg 59 Publikationen ausgewertet. Im Gesamtbild ergab sich, dass Schülerinnen und Schüler, die viel im Netz unterwegs sind, nicht unbedingt schlechtere Noten haben. "Horrorszenarien über die mutmaßlich fatalen Auswirkungen von sozialen Netzwerken auf schulische Leistungen sind unbegründet", lautete das Fazit von Studienleiter Markus Appel. Der Kommunikationswissenschaftler veröffentlichte die Ergebnisse der Metaanalyse zusammen mit Caroline Marker und Timo Gnambs im Wissenschaftsmagazin Educational Psychology Review (Appel et al., 2018). Richtig genutzt könnten soziale Netzwerke die Schulnoten sogar leicht verbessern, heißt es in der Studie.

Nur nicht surfen und gleichzeitig Hausaufgaben machen

Der Abgleich zeigte etwas recht Naheliegendes: Nutzen Schülerinnen und Schüler die sozialen Netze für schulbezogene Themen, also etwa dazu, sich über Hausaufgaben auszutauschen, schreiben sie im Mittel sogar leicht bessere Noten. Gleichzeitig Hausaufgaben zu erledigen und dabei andere Dinge auf Facebook, Instagram oder Snapchat zu machen – davon ist nach Ansicht der Forscherinnen und Forscher aber eher abzuraten: Multitasking funktioniere nicht. Diejenigen, die das versuchen, schneiden bei den Schulnoten in Schnitt etwas schlechter ab als der Durchschnitt. Geringfügig schlechtere Noten hatten auch diejenigen, die sehr intensiv soziale Medien nutzten.

Von Multitasking – also Lernen oder Hausaufgaben machen und dabei soziale Medien nutzen – ist jungen Leuten dagegen abzuraten: Es verschlechtert die Leistung leicht. Auch die Intensität der Nutzung hat Einfluss auf die Schulleistungen. Schüler, die sehr oft bei Facebook, Snapchat, Instagram und anderen Seiten unterwegs sind, schreiben geringfügig schlechtere Noten.

Trotz intensiver Handyzeit verbringen Schülerinnen und Schüler offenbar nicht weniger Zeit mit dem Lernen als vor dem Smartphonezeitalter. "Es gibt keinen Beleg für die plausible Annahme, dass Social-Media-Zeit zu Lasten des Lernens geht", sagte Appel. Möglicherweise nutzten die Jugendlichen dafür die Phasen, die die Generation vor ihr vorm Fernseher verbracht habe. Damit hätte die Jugend von heute sogar einen kleinen Vorteil, sagt Appel. "Über den Fernseher konnte man sich nicht über Schulaufgaben austauschen."

Neigen schwache Schüler zu mehr Social-Media-Nutzung?

In die Auswertung waren die Daten von fast 30.000 jungen Menschen zwischen 13 und 22 Jahren eingeflossen. Einzeln betrachtet zeigten viele der einbezogenen Studien widersprüchliche Ergebnisse, sagte Co-Autorin Caroline Marker. Die einen Forscherteams hätten positive, die anderen negative und manche gar keine Auswirkungen gefunden. Statistisch zusammengeführt ergäben die Antworten der Schüler zur Nutzung sozialer Medien und die Auswertung ihrer Noten aber ein klareres Bild. "Es ist nicht so schlimm, wie manchmal behauptet wird", so Appels Fazit. Die Nutzung sozialer Medien sei für die junge Generation weder prinzipiell sehr gut noch generell sehr schlecht. "Es kommt eben darauf an, was man macht."

Das Henne-Ei-Problem – was bewirkt was?

Noch unklar ist, ob Schülerinnen und Schüler mit schlechteren Leistungen eher zu umfassender Social-Media-Nutzung neigen oder ob es die intensive Beschäftigung mit solchen Netzwerken ist, die zu leicht schlechteren Noten führt.

Mit einer anderen Auswirkung von viel Zeit am Smartphone oder Laptop hatte sich kürzlich eine US-Studie beschäftigt: Immer mehr Zeit im Netz zu verbringen, heißt demnach nicht zwingend, sich immer besser zu fühlen. Am glücklichsten seien Teenager, die nur knapp eine Stunde täglich online sind, ergab die im Fachmagazin Emotion vorgestellte Analyse (Twenge et al., 2018) der San Diego State University.

Für die, die länger als eine Stunde pro Tag am Bildschirm kleben, sinken die Zufriedenheitswerte. Ebenso bei denen, die gar keine Digitalmedien nutzen (dürfen). Auch diese Studie stellte allerdings keinen kausalen Zusammenhang her, sondern zeigte nur eine Korrelation: Es bleibt also unklar, ob die Zufriedenheit wirklich an die Mediennutzung gekoppelt ist oder an andere damit verbundene Faktoren.