Facebook hat die Seite der rechtsextremen und islamfeindlichen britischen Organisation Britain First gesperrt. "Wir haben das nicht leicht genommen", teilte das Netzwerk mit, "aber sie haben wiederholt Inhalte geteilt, die gegen Minderheiten hetzen, was die Seite von unseren Dienstleistungen disqualifiziert." Auf eine schriftliche Warnung hätten die Betreiber nicht reagiert. Auch die persönlichen Seiten des Vorsitzenden Paul Golding und seiner Stellvertreterin Jayda Fransen wurden gesperrt. Beide sitzen seit vergangener Woche wegen Hassverbrechen in Haft. 

Britain First hatte auf ihrer Facebook-Seite unter anderem Muslime mit Tieren verglichen. Außerdem veröffentlichte die Gruppe dort regelmäßig Videos von antimuslimischen Aktionen.

Der Londoner Bürgermeister, Sadiq Khan, befürwortete Facebooks Entscheidung. Britain First sei eine "abscheuliche und hasserfüllte Gruppe, deren einziges Ziel ist, zu spalten", schrieb er auf Twitter. Ihre "kranken Absichten" seien verurteilenswert und Facebooks Entscheidung, ihre Inhalte zu sperren, sei willkommen.

Im vergangenen Jahr sorgte Britain First auch über Großbritanniens Grenzen hinaus für Aufmerksamkeit: Fransen hatte Videos mit angeblich kriminellen und gewalttätigen Muslimen veröffentlicht, die wiederum hatte US-Präsident Donald Trump kommentarlos retweetet. Die Videos haben sich später als Fälschung erwiesen, die britische Premierministerin Theresa May warf Trump daraufhin Fehlverhalten vor. Das Weiße Haus verteidigte Trumps Vorgehen: Der Präsident habe mit den Retweets ausdrücken wollen, dass er für starke Grenzen und nationale Sicherheit sei, sagte Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders. "Egal, ob es ein echtes Video ist, die Bedrohung ist echt." Twitter hatte bereits im vergangenen Dezember reagiert und den Feed von Britain First gesperrt.

Britain First wurde 2011 von Jim Dowson und anderen ehemaligen Mitgliedern der British National Party (BNP) gegründet und war zeitweise eine Partei. Im November 2017 verlor sie aber die Parteienzulassung. Die Reichweite der Organisation speist sich vor allem aus dem Zulauf in den sozialen Medien. Zuletzt hatte die Facebook-Seite von Britain First über zwei Millionen Follower. Die antifaschistische Organisation Hope Not Hate geht davon aus, dass Britain First die zweitgrößte Seite in der Kategorie Politik und Gesellschaft in Großbritannien betrieb und doppelt so viele Likes wie die Labour-Partei hatte.

Facebook hatte bereits mehrmals Seiten mit rechtsextremen Inhalten gesperrt. Im Juli 2016 waren unter anderem die Seite des Pegida-Dachverbandes und die Pegida-Dresden-Seite für etwa drei Stunden nicht mehr erreichbar, laut Pegida-Mitbegründer Siegfried Däbritz aus inhaltlichen Gründen.