Vor knapp zwei Wochen wurde bekannt, dass das Unternehmen Cambridge Analytica die Profile von bis zu 50 Millionen Facebook-Nutzern ausgewertet hat, um damit mutmaßlich Wahlen in England und den USA zu beeinflussen. Nun hat eine interne Facebook-Untersuchung ergeben, dass offenbar weitaus mehr Nutzerinnen und Nutzer betroffen waren. Am Mittwochabend schrieb das Unternehmen, es könnten sogar bis zu 87 Millionen Kunden betroffen gewesen sein, die meisten davon in den USA. Sie sollen bald oberhalb ihres Newsfeeds über den möglichen Missbrauch ihrer Daten informiert werden.

"Wir haben erst in den vergangenen Tagen einen genauen Überblick über die Situation erhalten", sagte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in einem Telefongespräch mit Journalisten am Mittwochabend, an dem auch ZEIT ONLINE teilnahm. Deshalb habe man die ursprünglich in den Medien genannte Zahl nach oben korrigieren müssen. Die 87 Millionen seien nun eine bewusst hoch geschätzte Anzahl an Nutzern, die theoretisch von der ursprünglichen Datenabschöpfung im Jahr 2015 betroffen sein könnten. Später teilte das Netzwerk mit, dass auch in Deutschland rund 300.000 Nutzer betroffen sein könnten.

"Die wichtigsten beiden Fragen, die sich viele Menschen derzeit stellen, sind, ob wir unser System unter Kontrolle haben und ob wir verhindern können, dass es manipuliert wird", sagte Zuckerberg. Die Antwort auf beide Fragen sei prinzipiell ja. Allerdings gestand er auch Fehler ein: "Wir haben nicht genug gegen Missbrauch getan. Das gilt für Fake News ebenso wie für Hatespeech und den Datenmissbrauch von Entwicklern." Außerdem habe er das Risiko möglicher Manipulationskampagnen unterschätzt, als er die Vorwürfe vor einiger Zeit "verrückt" nannte.  

Facebook rüstet sich für ein "wichtiges Wahljahr"

Was die mögliche Manipulation von Wahlen angehe, so habe Facebook mittlerweile 15.000 Mitarbeiter, die sich darum kümmern, falsche Accounts zu identifizieren und zu löschen, sagte Zuckerberg. Ende des Jahres sollen es mehr als 20.000 sein. Als ein Beispiel für erfolgreiche Maßnahmen erwähnte Zuckerberg die russische "Trollfabrik" Internet Research Agency. Am Dienstag verkündete das Netzwerk, 270 mit ihr verknüpfte Profile entfernt zu haben.

"2018 wird ein extrem wichtiges Jahr, was Wahlen rund um die Welt angeht", sagte Zuckerberg und erwähnte unter anderem die Wahl in Mexiko. Das Netzwerk rüste sich derzeit unter anderem auf drei Formen einer möglichen Einflussnahme: Erstens könnten laut Zuckerberg Akteure versuchen, mit der Verbreitung von bestimmten Inhalten Geld zu verdienen. Dies könne man recht einfach unterbinden, indem man sie aus dem Werbenetzwerk entfernt. Zweitens geht es um politisch-ideologische Angriffe, wie sie etwa aus Russland kommen. "Wir müssen diese bad actors künftig besser und schneller identifizieren, verfolgen und dann sperren", sagte Zuckerberg. Ein dritter Einfluss ginge von den Medien aus. Hier wolle die Plattform enger mit Faktencheckern zusammenarbeiten. Wobei man stets darauf achten müsse, einzelne Stimmen nicht einzuschränken. 

Datenmissbrauch - Wie man seine Daten auf Facebook besser schützen kann Die IT-Firma Cambridge Analytica steht im Mittelpunkt eines neuen Facebook-Skandals. Unser Video gibt drei Tipps, wie man seine Daten in dem sozialen Netzwerk besser schützen kann. © Foto: Claudia Bracholdt

Der Facebook-Login wird eingeschränkt

Auf der technischen Seite stellte Facebook am Mittwoch insgesamt neun Veränderungen vor, um die Daten der Nutzer abzusichern. "Wir glauben, dass diese Änderungen die Privatsphäre der Nutzer besser schützen können", sagte der Chief Technology Officer Mike Schroepfer. Die meisten Anpassungen betreffen vor allem die Entwickler von Apps, die über eine sogenannte Entwicklerschnittstelle (API) auf Nutzerprofile zugreifen können. Facebook hatte bereits gekündigt, den Zugriff einschränken zu wollen. Künftig sollen Dritte nur noch nach genauer Prüfung durch das Unternehmen auf die Kalender der Nutzerinnen und Nutzer und auf die Inhalte von Gruppen und öffentliche Seiten zugreifen können.

Eine weitere wichtige Änderung betrifft den Facebook-Login. Zahlreiche Apps und Websites, darunter etwa der Datingdienst Tinder, erlauben ihren Nutzern, sich über ihr Facebook-Konto anzumelden. Über eine solche App von Dritten wurden ursprünglich auch die Profildaten abgezweigt, die schließlich bei Cambridge Analytica landeten. Künftig will Facebook alle Apps überprüfen, die auf Logindaten, Likes, Fotos, Beiträge und Videos zugreifen wollen. Details zur Ausbildung, dem Arbeitsplatz, Beziehungsstatus, Musikgeschmack sollen prinzipiell nicht mehr mit Dritten geteilt werden.

Komplett deaktiviert wird auch die bisherige Funktion, anhand von E-Mail-Adressen und Telefonnummern nach Nutzern suchen zu können. Dies sei zwar praktisch gewesen, habe aber auch Datenabfragen im großen Stil ermöglicht, heißt es. "Das hat unsere Untersuchung in den vergangenen Tagen offengelegt", sagte Zuckerberg. Allerdings sei dadurch lediglich das Sammeln von ohnehin öffentlichen Profildaten möglich gewesen.